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Corona-Krise: Rezession in den CEE-Ländern

29. Mai 2020

Wie wirkt sich COVID-19 in Zentral- & Osteuropa aus?

Wie geht es den Emerging Markets in Zentralosteuropa? Wirtschaftsexperte Andreas Schwabe, Senior Economist der Raiffeisen Bank International AG (RBI) und Global Executive MBA Alumnus, analysiert, wie sich die Corona-Krise wirtschaftlich auf den CEE-Raum auswirkt und wirft dabei einen genaueren Blick auf die Volkswirtschaften von Russland, Rumänien, Bulgarien und Kroatien.

Symbolische Darstellung der Rezession durch Corona
Steht Zentral- und Osteuropa vor dem Wirtschaftscrash?

Derzeit überschlagen sich die Meldungen: Deutschland stürzt in eine Rezession. Österreich ebenso. Im zweiten Quartal des Jahres werden die Folgen der Corona-Krise schlagend: „Wir gehen von einer europaweit starken Rezession in der ersten Jahreshälfte aus - vor allem im jetzigen zweiten Quartal. In der zweiten Hälfte jedoch könnte die Wirtschaft wieder anspringen“, konstatiert Andreas Schwabe.

Krise ist nicht gleich Krise

Die Corona-Krise wirkt sich anders auf die wirtschaftliche Entwicklung aus als etwa die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009, sagt Schwabe: „Damals wurden zwar Produktion und internationaler Handel stark heruntergefahren. Dennoch haben die Menschen weiterhin konsumiert und Dienstleistungen in Anspruch genommen.“ Der Dienstleistungssektor habe die Krise auch stabilisiert. In Zeiten der Corona-Maßnahmen war das nicht möglich, auch der Privatkonsum sei stark eingebrochen.

Wie groß ist die Rezession in CEE?

Auch die Emerging Markets in Zentralosteuropa sind von der Corona-Rezession betroffen – wenn auch meist weniger stark als Österreich. Generell haben bis auf Russland und Weißrussland die Länder schon früh auf die Corona-Krise mit strikten Regelungen ähnlich wie in Österreich reagiert. Die Todeszahlen sind deutlich geringer als in westlichen Staaten. Obwohl die Gesundheitssysteme in Osteuropa schlechter aufgestellt sind, kämpfte man in Westeuropa auch mit schwereren Krankheitsverläufen, die in den CEE Ländern seltener sind, so Schwabe. Wie auch in Österreich ist auch die Zahl der Neuinfektionen pauschal gesehen in Zentralosteuropa stark rückläufig und sogar in Russland ist ein leichter Rückgang zu beobachten. Lediglich Weißrusslands Präsident Lukaschenko hält nicht viel vom Coronavirus, meint Andreas Schwabe. Die CEE-Länder sind wirtschaftlich vor allem durch die internationalen Wertschöpfungsketten über den Handel mit Deutschland, China und Italien sehr geschwächt, auch der Tourismus könnte bei weiteren Reisebeschränkungen massiv betroffen sein.

Bild eines leeren Strands wegen Corona-Krise
Der Tourismus ist nicht nur durch Reisebeschränkungen, sondern auch durch die Verunsicherung der Menschen betroffen. Foto © CC0 License

 „Es kommt nun auf die Lockerungen in den jeweiligen Ländern an“, sagt Andreas Schwabe. Hier sind vor allem Ungarn, Bulgarien, die tschechische Republik, Albanien und Kroatien gefordert. Kroatien hat seit 17. Mai die Grenze bereits für Touristen aus EU-Ländern und dem Schengenraum geöffnet. Österreich hat die Grenzen zu Tschechien, Slowakei und Ungarn seit dem 17. Mai ebenfalls offen, andere Länder beharren weiterhin auf strikte Grenzkontrollen und öffnen ausschließlich für Pendler. „Die Rezession wird Tourismusländer stärker treffen als andere“, sagt Andreas Schwabe.Wirtschaftlich schwache Länder würden vom Internationalen Währungsfonds und der EU Gelder erhalten: „Bosnien, Albanien und der Kosovo bekommen Gelder aus Hilfsprogrammen“, sagt Andreas Schwabe.  Die EU will gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank 3,3 Milliarden Euro für die Beitrittskandidaten am Westbalkan – Albanien, Nord-Mazedonien, Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kosovo – zur Verfügung stellen.

Wirtschaftsprognosen 2020/21: Wachstum oder Rückgang?

Generell unterstützen die Länder in Zentralosteuropa die Wirtschaft durch Zinssenkungen der Nationalen Zentralbanken sowie in einigen Ländern durch Ankäufe von Staatsanleihen und Assets. Auch staatliche Garantien werden für Bankkredite vergeben.

Für das laufende Jahr 2020 erwarten sich die Analysten der RBI und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Österreich jedoch einen Abfall der Bruttoinlandsprodukte, während die Prognosen für 2021 wieder besser aussehen:

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So trifft Corona einzelne CEE-Volkswirtschaften

Fokus Russland: Die Restriktionen startete Präsident Putin mit einer arbeitsfreien Woche, die bis 11. Mai ausgedehnt wurde. Bis auf „systemrelevante“ Branchen musste sich die Bevölkerung in Selbstisolation begeben. TouristInnen aus Nicht-EU-Ländern wie China oder den USA mussten sich in 14-wöchige Quarantäne begeben, eine Nichteinhaltung wurde mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet. Russland kämpfte zudem schon vor Corona mit niedrigen Ölpreisen. In den vergangenen Jahren hat man aber mit restriktiver Fiskalpolitik Ressourcen für schlechte Zeiten auf der Seite. Der aus Öl- und Gas-Einnahmen gefütterte Staatsfonds (Russian National Wealth Fonds) ist 165 Milliarden Dollar schwer, vorerst will die Regierung nur einen geringen Teil daraus für die Covid-19-Krise verwenden.

Portrait Andreas Schwabe

Andreas Schwabe

  • Senior Economist der Raiffeisen Bank International AG

Staatliche Hilfsmaßnahmen liegen in Russland mit rund 2,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts unter dem osteuropäischen Durchschnitt. Hilfsmaßnahmen sind bisher kaum bei kleineren Betrieben und Privatpersonen angekommen.

Fokus Rumänien: Der Lockdown hat ähnlich wie in Österreich stattgefunden, mit 15. Mai hat man die Maßnahmen gelockert. „Rumänien hatte mit einem hohen Budgetdefizit schon vor der Corona-Krise eine schlechte Startposition“, sagt Andreas Schwabe. Die RBI prognostiziert eine Senkung des BIP von 7 Prozentpunkten für 2020. Im Vorjahr lag das BIP-Wachstum noch bei 4,1 Prozent. Der Staat übernimmt 75 Prozent der Bruttogehälter für freigestellte Arbeitnehmer, die von Covid-19 betroffen sind. Einkommenssteuern konnten gestundet werden. Für von Covid-19 betroffene Unternehmen und Einzelpersonen gibt es die Möglichkeit, Kreditrückzahlungen zu stunden, die Regierung vergibt auch staatliche Garantien für Bankdarlehen von KMU. Die rumänische Nationalbank senkte den Leitzins im März um 50 bp auf 2 Prozent. Die Regierung will mit Rückkäufen die Liquidität und Kreditaktivitäten aufrechterhalten.

Fokus Bulgarien: Auch Bulgarien hat restriktive Maßnahmen eingeführt, die seit Anfang Mai langsam gelockert wurden. 2,5 Prozent des BIP wurden für ein Maßnahmenpaket vorgesehen. Die Regierung übernahm 60 Prozent der Bruttogehälter bei Kurzarbeit, für medizinisches Personal war ein Bonus vorgesehen. Bis 30 Juni gibt es Stundungen für Unternehmenssteuern. 1.500 Tonnen an Essen wird an Hilfsbedürftige verteilt. Die Banken müssen ihre internationalen Investitionen reduzieren und erhalten größere Flexibilität: für Unternehmens- und Privatkredite gibt es ebenfalls ein Moratorium.

Fokus Kroatien: Das gerade bei Österreichern so beliebte Urlaubsland hat die anfänglichen Restriktionen schrittweise gelockert. Seit 11. Mai sind Einkaufszentren, Geschäfte und Lokale bei Einhaltung von Schutzmaßnahmen wieder geöffnet. Seit 17. Mai gibt es auch wieder offene Grenzen für den Tourismus. 100 Prozent der Lohnkosten des Netto-Mindestgehalts werden für kleinere Unternehmen bei Kurzarbeit vom Staat übernommen – das betrifft 500.000 Jobs und 2,4 Prozent des BIP. Die Regierung verwendet 11,6 Prozent des BIP für Corona-Maßnahmen. Für Steuerzahlungen gibt es die Möglichkeit zur Stundung ebenso wie für Kreditrückzahlungen. Zudem hat die Nationalbank ihre Regelungen zu den Foreign Exchange Interventions überarbeitet und die Regierung hat Anleihekäufe getätigt. Der Zinssatz zur Mindestreserve wurde von der Nationalbank von 12 auf 9 Prozent herabgesetzt. Mit der Europäischen Zentralbank wurde außerdem ein Währungsabkommen getroffen.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine zweite Welle auf den osteuropäischen Raum hätte, beleuchtet Andreas Schwabe in diesem Artikel.

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