Die 8 besten Geschäftsmodelle im Web3

24. Oktober 2022

Wenn der Avatar Geld verdient

Die digitale Welt ist im Wandel. Mit dem Web3 eröffnen sich für die digitale Wertschöpfung dank Blockchain-Technologie - einmal mehr - völlig neue Geschäftschancen in der virtuellen Welt. Wir zeigen Ihnen die 8 besten digitalen Geschäftsmodelle-Modelle im Web3 und erklären, warum es wirtschaftlich fahrlässig wäre, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen.

Eine Frau mit Virtual Reality Brille auf greift nach virtuellen Kugeln
Web3 ist ein Thema das man nicht unbeachtet lassen kann – es wird die Geschäftswelt und ihre Business Models verändern. Foto © pixabay – Riki32

Bis vor wenigen Jahren ging die Online-Kommerzialisierung recht traditionell zu: Das Internet wurde von Unternehmen und Selbstständigen genutzt, um online Services und Dienstleistungen anzupreisen oder in Online-Shops Produkte zu verkaufen. Inzwischen ist mit dem Web3 eine neue Dimension des Internets geschaffen worden, die auch die Geschäftschancen für Unternehmen massiv erweitert.

Web3 – die nächste Generation des Internets

„Internationale Konzerne nutzen als erste die neuen Business-Modelle des Web3“, sagt Digitalexperte Martin Giesswein. Web3 eröffne aber nicht nur Nike, Sony, Microsoft oder der FIFA ungeahnte Chancen, Geld zu verdienen. „Grundsätzlich steht das Web3 allen Unternehmen offen – für die einen macht es mehr Sinn, für die anderen weniger. Kein Unternehmen kann es sich allerdings mehr leisten, sich nicht mit dem Thema ausführlich zu beschäftigen“, so Christof Stögerer, Head of Continuing Education der WU Executive Academy.

Aus diesem Grund startet auch Anfang April 2023 der neue Online-Kurs „Web3 und Metaverse“ für Führungskräfte und Unternehmer, den die Business School der WU Wien zusammen mit Martin Giesswein entwickelt hat. Gemeinsam mit den Gastlektoren, der Rechtsanwältin Tullia Veronesi von Schoenherr Attorneys at Law und Heinz Popovic, CEO von WINWEST, wird Martin Giesswein kompakt und übersichtlich über die unternehmerischen Chancen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Web3 informieren.

Warum Web3 nicht gleich Metaverse ist

In den letzten Jahren wurde mit dem Web3 eine dezentrale Version des heutigen Internets geschaffen – mit gigantischen virtuellen Welten (Metaverses), die eine intensiveres Erlebnis erlauben als ein Bildschirm. Der Begriff Web3 ist dabei Sammelbegriff für eine smarte, digitale Parallelwelt und ihre Techniken. Eine wesentliche Rolle spielt die Blockchain-Technologie. Als Teil des Web3-Sammelbegriffs können die Metaverses gesehen werden. Diese Virtual Realities eröffnen eine eigene Welt, in der die User als Avatare leben und Dienstleistungen, Konsumgüter und Erlebnisse konsumieren können.

Ein offene Hand, darüber schweben digitale Würfel in verschiedenen Farben
Virtuelle Realitäten sind Teil des Web3 und eröffenen eine völlig neue Welt mit Geschäftsmöglichkeiten. Foto © shutterstock – Black Salmon

Mit all diesen technologischen Möglichkeiten bietet das Web3 – abseits der „traditionellen“ digitalen Businessmodelle – eine Vielzahl an Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen, um ihre Produkte und Kund*innenansprache in die virtuelle und Krypto-Welt zu verlagern und Wertschöpfung zu generieren. Hier sind die acht besten Geschäftsmodelle im Web3:

1. Geschäftsmodell: „Collect“

Die Sammelleidenschaft findet im Web3 ihren digitalen Ausdruck, insbesondere beim Erstehen und Handeln mit einzigartigen digitalen Gütern (NFTs oder Non-fungible Tokens).

Martin Giesswein, Digital Experte

Martin Giesswein

  • Digital Experte

Man besitzt beispielsweise einen wertvollen Sportwagen oder ein wertvolles Kunstwerk in der physischen Welt und parallel dazu das digitale Abbild als NFT. Dieses NFT dient dann einerseits zum Eigentumsnachweis und andererseits als Schaustück im Metaverse. So hat man ein digitales Unikat, das man auch verkaufen und damit Erträge erwirtschaften kann.

2. Geschäftsmodell: „Trade“

Auch gut bekannt sind das Handeln und Spekulieren mit diesen digitalen Gütern. Besonders ist dieses Trade-Modell im Web3, weil es keine Zwischenhändler mehr braucht und die „automatische Verbücherung“ des Rechtsaktes auf der Blockchain ermöglicht. Die Transaktion ist für alle Teilnehmer*innen ersichtlich. Als ein interessantes Beispiel erläutert Christof Stögerer das Unternehmen Cryptowine: „Auf der Plattform trade & drink können Qualitätsweine aus Österreich tokenisiert und online handelbar gemacht werden. Sie können ersteigert oder gekauft werden und werden weiterhin dezentral physisch im Burgenland gelagert. Erreichen sie die Trinkreife, kann man eine Lieferung auslösen“, so Stögerer.

Bis es so weit ist, lässt sich mit den Weinen Geld verdienen: So können die Besitzer*innen der ersteigerten oder gekauften Wein-NFTs handeln, dadurch Wertsteigerungen lukrieren oder sie einer anderen Person übertragen.

3. Geschäftsmodell: „Merch“

Vermarktung ist alles – das gilt auch im Web3. Markenartikler*innen wollen ihre Produkte digitalisieren und so in den Metaverses auch Umsatz machen. „Wer einen bestimmen Sportschuh von Nike in der realen Welt kauft, bekommt auch eine digitale Version für den eigenen Avatar im Web3 Spiel „Roblox“ (real-to-virtual). Andersherum (virtual-to-real) sicherte sich McDonalds vor kurzem Patente, die das Bestellen eines Burgers im Metaverse und eine reale Lieferung an die Haustür für die nahe Zukunft erwarten lassen.

Dieses Modell macht sich der WienTourismus zunutze, der probeweise in Kooperation mit dem Freud Museum eine Interaktion mit potenziellen internationalen Tourist*innen gestartet hat: Mit der Aktion „Get me out, Freud!“ wurde ein Avatar von Sigmund Freud ins Metaverse geschickt, wo er zu einer Pause von der virtuellen Welt anregt“, sagt Martin Giesswein. Wer mit dem Freud der Neuzeit am Hauptplatz des Metaverse Decentraland ins Gespräch trat, hatte die Chance, eine Reise nach Wien zu gewinnen.

4. Geschäftsmodell: „Dress/Skin“

Durch die virtuelle Metaverse- und Computerspiele-Welt bewegt man sich bekanntlich mit Avataren, also unseren digitalen Zwillingen. Diese müssen aber nicht so aussehen wie wir. Gegen Zahlung erhält man ein anderes Gesamtaussehen (Skin) oder einfach eine andere Frisur oder Kleidung.

Christof Stögerer, Head of Continuing Education

Christof Stögerer

  • Head of Continuing Education

In der App Snap kann man sich darüber hinaus vom österreichischen Startup Jevels digitalen Schmuck kaufen.

5. Geschäftsmodell: „Land“

Auch Grundstücke und Häuser kann man im Web3 kaufen – auf dem Gelände der Online-Welten in den Metaverses. Im Vorjahr wurden mittels dieser virtuellen Immobilien 500 Millionen Euro Umsatz gemacht. Im Jahr 2022 könnte der Umsatz bei Metaverse-Immobilien die 1-Milliarde-Euro-Grenze sprengen. Die virtuellen Grundstücksparzellen werden als NFTs ausgegeben und sind natürlich handelbar. Um den Wert zu steigern, ist das Angebot künstlich verknappt. Decentraland etwa hat sein Land mit 90.000 Grundstücken limitiert.

6. Geschäftsmodell: „Mine“

Um eine Transaktion auf die Blockchain zu „schreiben“, werden sogenannter Miners eingesetzt, das sind Personen oder Firmen, die gegen eine „Gas-Fee“ (in Crypto-Währung bezahlt) diese Schreibarbeit erledigen. Die Gas-Fees sind je Blockchain und Transaktionsfrequenz unterschiedlich hoch. Mit Crypto-Mining, also dem Schürfen bzw. Herstellen von Crypto-Tokens, konnte in der Vergangenheit viel Geld gemacht werden. Der Miner oder Schürfer bestätigt die Transaktionen und fügt der Blockchain so weitere Blöcke hinzu.

7. Geschäftsmodell: „Staking“

Es gibt verschiedene Blockchains und viele verwenden nicht (mehr) den Konsens-Algorithmus mit der Methode „Proof of Work“ der Miners, wie im Geschäftsmodell 6 beschrieben. Sie bedienen sich des „Proof of Stake“, also eines Konsenses der Token-Inhaber*innen der jeweiligen Blockchain, um sicherzustellen, dass die Transaktionen richtig geschrieben werden. „Wer seine Tokens dafür einsetzt, wird für diese Kapitalarbeit entlohnt. Dieses Staking ist mit dem Zinsgeschäft in der heutigen Diktion verwandt“, sagt Martin Giesswein.

8. Geschäftsmodell: Work/Farm/Create

Auch mit Computerspielen lässt sich viel Geld verdienen: „Die Metaverse-Betreiber*innen bauen in sich geschlossene Ökonomien und schütten auch Tokens oder Boni an die Spieler*innen aus“, sagt Christof Stögerer.

Ein Beispiel dafür liefert die Spielplattform Roblox: „Man kann Essen in einem digitalen Restaurant zubereiten und sie an andere Avatare ausliefern. Dafür erhält man Spielgeld, mit dem man wiederum Zubehör oder Skins kaufen kann“, so Giesswein. Das Web3-Spiel „Axies Infinity“ geht einen Schritt weiter: Man kann digitale Tiere aufziehen, sich à la Tamagotchi um sie kümmern und zum so gestiegenen Wert verkaufen. Die Einnahmen können danach in echtes Geld umgewandelt werden.

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