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Die Energieversorgung von morgen: Ausbildung als Ausweg aus der Krise

15. Juni 2016

Im Gespräch mit Prof. Jonas Puck

Executive Education

Wie die globale Energieversorgung in der Zukunft aussehen wird, kann heute niemand genau vorhersagen. Über eines sind sich ExpertInnen jedoch einig: Fossile Brennstoffe werden zwar noch viele Jahre lang den globalen Energiemix bestimmen, irgendwann gehen sie aber zu Ende – die Frage ist nur wann und wie. Aber welche neuen Technologien werden das Potential besitzen, den weltweit ständig steigenden Energiebedarf zu decken? Wie wird es uns gelingen, den CO2-Ausstoß bis dahin auf ein verträgliches Maß zu reduzieren und welche besonderen Herausforderungen ergeben sich daraus für ManagerInnen in der Energiewirtschaft?

Im folgenden Interview erklärt Prof. Jonas Puck, wissenschaftlicher Leiter des MBA Energy Management, warum gezielte Managementausbildung der einzige Weg aus der Krise sein kann und wie ein MBA mit Spezialisierung im Energiebereich Führungskräften wertvolle Dienste leisten kann, um sie optimal auf den bevorstehenden Umbruch im Energiesektor vorzubereiten.

Jonas Puck im Interview
Prof. Jonas Puck im Interview

Herr Prof. Puck, warum ist Ihrer Meinung nach kontinuierliche Weiterbildung von ManagerInnen ein Schlüsselfaktor, wenn es darum geht, die bevorstehenden Herausforderungen einer globalen Energieversorgung in der Zukunft zu meistern?

Prof. Puck: Wir leben in äußerst dynamischen Zeiten: Was heute noch mit Sicherheit Erfolg verspricht, kann morgen bereits zum Scheitern verurteilt sein. Auch die Energiebranche wird zunehmend unberechenbarer. Märkte, Technologien, wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Allgemeinen sind einem ständigen und vor allem radikalen Wandel unterworfen.

Je unsicherer und volatiler das Umfeld, desto wichtiger ist der Vorsprung, den man sich durch gezielte Ausbildung verschaffen kann. Was wir heute dringend brauchen – und das gilt speziell auch für die Energiewirtschaft – sind Manager, die flexibel auf die Veränderungen um sie herum eingehen können und dann die richtigen Entscheidungen treffen. Das gelingt jedoch nur, wenn sie die großen Zusammenhänge verstehen, wissen, wie einzelne Bereiche ineinandergreifen und welche Auswirkungen es hat, wenn sie an den verschiedenen Schrauben drehen.

Dieses Wissen und das sprichwörtliche „Big Picture“ könnte ihnen also  ein MBA liefern?

Prof. Puck: Der richtige MBA kann einen substanziellen Beitrag dazu leisten.

Könnten Sie uns hier mehr dazu sagen? Welchen Vorteil hätte ein auf Energie spezialisierter MBA?

Prof. Puck: Gerne. Es gibt hier unterschiedliche Dimensionen. Eine der wichtigsten ist die „Breite“ des Wissens, also das von Ihnen vorher angesprochene „Big Picture“. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Durch den derzeit niedrigen Ölpreis könnte man glauben, die gesamte traditionelle Energiebranche läge danieder und die erneuerbaren Energien würden davon profitieren. Das Bild ist aber weitaus komplexer.

Zwar leiden etwa die großen Öl-Konzerne im Bereich des Upstreams, also bei der Ölgewinnung; der Downstream mit Refining, Tankstellen, etc. profitiert aber stark von den niedrigen Preisen, weil viel mehr gekauft wird. Die Erneuerbaren kommen damit auch unter Druck, weil der niedrige Ölpreis die Nachfrage verringert.

Erneuerbare Energiequellen stehen darüber hinausvor dem Problem, dass sie in vielen Fällen die benötigte Energie nicht immer dann liefern können, wenn sie besonders gebraucht wird, weil sie natürlichen Schwankungen unterworfen sind. Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, wird keine Energie erzeugt. Und genau hier kommen jetzt auch Kohle, Gas und Nuklearenergie ins Spiel: Wenn viel Energie benötigt wird, können sie Peaks – auch ganz kurzfristig – ausgleichen. So würde selbst verstärkte Nachfrage nach Erneuerbaren auch die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen auf manchen Märkten erhöhen.

Ändern würde sich das nur durch Innovationen, vor allem die Entwicklung einer effizienten Form der Energiespeicherung. Sie sehen also, wie komplex die Zusammenhänge sind. Dazu kommt, dass das Thema Energieversorgung schon lange kein regionales Problem mehr ist. Energie ist zu einem globalen Phänomen geworden.

Und neben der „Breite“?

Prof. Puck: Bietet ein hochwertiges MBA-Programm auch „Tiefe“. Natürlich ist auch ein auf Energie spezialisierter MBA im Wesentlichen ein General Management Programm. Und das ist auch gut so. Aber etwa im Rahmen der Master Thesis haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, flexibel und basierend auf ihren eignen Interessen, sich mit bestimmten Themen auch in der Tiefe zu beschäftigen und sich in diesem Bereich zu ExpertInnen zu entwickeln. Zudem kommen die TeilnehmerInnen, aber auch die Lehrenden, aus den unterschiedlichsten Bereichen der Energiewirtschaft. So profitieren die TeilnehmerInnen zu einem großen Teil auch von den Insights ihrer KollegInnen und erfahren von ausgewählten ExpertInnen, die sie unterrichten, was die neuesten Trends und Entwicklungen in der Branche sind. Sehr oft werden Entscheidungen nicht nur wegen der Fakten, sondern auch aufgrund individueller Werthaltungen und Perspektiven getroffen. Hier bietet ein MBA ein einmaliges Setting von Menschen mit ähnlichen Fragen und Kompetenzen, die sich abseits hierarchischer Strukturen wunderbar untereinander austauschen können.

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Energy-Studierende während der internationalen Studienreise

Welche anderen Dimensionen gibt es noch?

Prof. Puck: Ein wesentlicher Bereich ist auch das richtige Risikomanagement. Gerade wenn man in einem sehr volatilen und unvorhersehbaren Markt tätig ist, tut man gut daran, das Risiko für sein Unternehmen zu streuen. Stichwort Diversifikation. Einige Ebenen sind hier von zentraler Bedeutung: Zum einen das strategische Risikomanagement. Gerade die traditionellen Öl- und Gas-Unternehmen könnten hier in den nächsten Jahren durchaus unter Druck geraten.

Auch wenn fossile Energien wohl noch lange stark nachgefragt werden, ist das Geschäftsmodell grundsätzlich unter Druck. Investitionen in andere Bereiche der Energiebranche sind eine Möglichkeit dieses Risiko zu managen. Je diversifizierter das Portfolio, desto solider steht man da, sollte einmal ein Bereich wegbrechen.

Der Erfolg einer solchen Maßnahme hängt aber natürlich stark von einer guten Risikokalkulation ab – und das kann man durchaus lernen. Dann gibt es natürlich das finanzielle Risikomanagement. Die Frage hier lautet: Welche finanziellen Absicherungsmöglichkeiten gibt es für mein Unternehmen und welche eignen sich in meinem Fall am besten? Und schließlich natürlich das Risiko auf Management-Ebene. Wie schaffe ich es nach außen, etwa bei Verhandlungen mit Kunden oder Partnern, stets das beste Ergebnis für mein Unternehmen zu erzielen, aber auch im internen Leadership die eigenen Interessen, aber auch jene der MitarbeiterInnen zu wahren?

Alle diese Themen werden im Rahmen eines MBA mehrfach behandelt und auch hier ist es natürlich enorm bereichernd, wenn sich die TeilnehmerInnen über ihre Erfahrungen aus der Praxis austauschen und untereinander um Rat fragen können. 

Das klingt vielversprechend?

Prof. Puck: Ja, ist es auch. Wenn ich bei der Abschlussfeier unsere MBA TeilnehmerInnen frage, wovon sie am meisten profitiert haben, dann höre ich sehr oft, dass sie jetzt ein viel besseres Verständnis dafür haben, wie die unterschiedlichsten Themen global miteinander vernetzt sind. Vor allem aber auch, dass sie gelernt haben, aus jedem Misserfolg und jeder Fehlentscheidung die Chance für einen Neuanfang, also die „entrepreneurial opportunity“ zu sehen. Genau dieser Typ Menschen ist in der Lage, revolutionär Neues zu entwickeln und so einen Beitrag dazu zu leisten, unsere globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert zu meistern.

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