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Die fabelhafte Welt der Business-Tiere

21. Juli 2020

von Dr. Astrid Kleinhanns-Rollé

Ein Rundgang im Tiergarten der Wirtschaft zeigt, was Einhörner, Zebras, Schwäne und Gorillas mit bzw. im Business zu tun haben. Ein Tag im Tiergarten ist für Kinder und Erwachsene ein Erlebnis. Aber nicht nur im Schönbrunner Zoo in Wien spielen Tiere eine Rolle, sondern auch in der Wirtschaft. Dr. Astrid Kleinhanns-Rollé, Managing Director der WU Executive Academy, hat einen virtuellen Spaziergang durch die fabelhafte Welt der Business-Tiere gewagt und sich die interessantesten Spezies einmal genauer angesehen.

Bild eines Zoo Einganges
Dr. Astrid Kleinhanns-Rollé macht einen virtuellen Spaziergang im Zoo der Business-Tiere. Foto © CC0 Licence

Die Einhörner

Astrids Rundgang im Business-Tiergarten beginnt gleich bei einer der eindrucksvollsten Arten, die wir in einem echten Zoo wohl kaum antreffen würden: den Einhörnern. Als Einhörner werden jene Start-ups bezeichnet, die einen Marktwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht haben. Bekannte Beispiele wie AirBnB oder Uber zeigen, weshalb sie sich in einer umkämpften Umwelt durchsetzen konnten: In der Regel schaffen sie mit innovativen Neukombinationen Märkte, die die etablierten Player übersehen haben. Dort wachsen sie rasant und sichern ihre Marktposition oft über Netzwerkeffekte ab. Einhörner erkennen früh neu entstandene Märkte mit wenig Konkurrenz und zeichnen sich durch intelligente Innovationen (Technologie, Produkt und/oder Geschäftsmodell) mit einem zumindest zeitweiligen Alleinstellungsmerkmal aus. Bisweilen sind Einhörner allerdings dafür bekannt, anderen Tieren in ihrer Umgebung nichts mehr übrig zu lassen.

Bild eines Business Mann mit Einhornmaske
In einem echten Zoo nicht zu finden, aber bei den Business-Tieren auf jeden Fall: die Einhörner.

Die Zebras

Astrid muss nicht weit gehen, um zu den Zebras zu gelangen. Sie sind in der Business-Fauna eng verwandt mit den Einhörnern, allerdings mit einem wichtigen Unterschied: Zebras sind Start-Ups, denen es nicht um Gewinne und exponentielles Wachstum um jeden Preis geht, sondern auch auf nachhaltige Werte wie soziale Verträglichkeit achten. Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten sind sie nicht darauf bedacht, alles kahl zu fressen, sondern sind zugleich profitabel und gesellschaftlich verträglich. Nie würden sie das eine um das andere opfern.

Bild von 2 Zebras
Zebras sind den Einhörnern nicht unähnlich, doch es geht ihnen in erster Linie nicht immer um Gewinn und Wachstum. Foto © CC0 Licence

Zebras sind damit beispielhaft für einen sozio-ökonomischen Zugang zur Wirtschaft, der auf Ressourcen und Bedürfnisse Rücksicht nimmt und gerade bei jüngeren Menschen immer populärer wird. Wachstum ist zwar für Zebras, die vielfach unter der Kategorie der Social Entrepreneurs geführt werden, ebenfalls von Bedeutung, aber stets unter der Prämisse eines positiven Wandels von Wirtschaft und Gesellschaft. Das macht sie auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiver, die selbst einen tieferen Sinn hinter der Karriere sehen wollen. Allerdings tun sich Zebras noch etwas schwerer damit, (finanzielle) Unterstützung zu bekommen, die speziell in der Anfangsphase so wichtig ist. Grund dafür ist, dass Zebras oft zwischen zwei veralteten Paradigmen stecken, nämlich gemeinnützig und gewinnorientiert zugleich sein zu müssen. Hier tun sich in vielen Ländern ungünstige Rahmenbedingungen auf, die den Entrepreneuren vor allem das abverlangen, was sie nicht haben: Zeit und Geld. Investoren setzen nicht selten auf traditionelle Modelle, die sie gut kennen, als auf alternative, ungeprüfte Investment-Modelle.

Die 2005 gegründete E-Commerce-Website Etsy, die sich auf den Kauf und Verkauf von handgemachten Produkten, Vintage und Künstlerbedarf spezialisiert hat, oder Basecamp, ein Unternehmen, das Start-ups umfassend dabei unterstützt, im Silicon Valley Fuß zu fassen, sind nur zwei Beispiele erfolgreicher Zebras.

Die weißen Elefanten

Weiter führt Astrid der Tiergarten-Rundgang zu den weißen Elefanten, die schon von weitem sichtbar sind. Sie stehen symbolhaft für riesige Projekte ohne tieferen ökonomischen Sinn, beispielsweise für Bauprojekte im Zuge von Großveranstaltungen wie Sportevents. In vielen Ländern stehen Stadien, die kaum genutzt werden und verfallen. Weiße Elefanten sind aber auch ein Begriff für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen, die keine wirkliche Funktion haben – auch in der Politik und in staatsnahen Unternehmen trifft man immer wieder auf diese Tierart.

Bild eines Fußballstations von innen im Weitwinkel
Weiße Elefanten sind oft nur große Prestige-Projekte. Zum Beispiel Stadien für einmalige, große Sportveranstaltungen. Foto © CC0 Licence

Die Bullen und die Bären

Langsam schlendert Astrid weiter. Was ist das für ein Brüllen? Bullen und Bären sind interessanterweise in zwei Gehegen nebeneinander untergebracht. Kein Wunder: Sie gehören ja einfach zusammen. Während die Bullen ein Symbol für steigende Aktienkurse sind, sind die Bären für sinkende Kurse zuständig. Der geschichtliche Hintergrund: In Kalifornien wurden einst diese beiden Tiere bei Kämpfen aufeinander losgelassen. Der Bulle konnte gewinnen, wenn er den Bären mit den Hörnern in die Höhe schleuderte, daher steht er für steigende Kurse. Der Bär hingegen blieb siegreich, wenn er mit seinen gewaltigen Pranken von oben nach unten schlagen konnte – dementsprechend steht er für sinkende Kurse. 

Die schwarzen Schwäne

trifft Astrid bei ihrem Rundgang ebenfalls, eine besonders seltene Art. Vor rund zehn Jahren hat der Börsenexperte und Philosoph Nassim Nicholas Taleb in seinem gleichnamigen Buch diese schwarzen Schwäne beschrieben. Dabei sind sie als Symbole für unerwartete Ereignisse schon mehr als 2000 Jahre bekannt, als solche Tiere noch als gänzlich undenkbar galten. Doch es gibt sie tatsächlich, sowohl in der Natur als auch in der Wirtschaft und der Weltgeschichte. Mit Black-Swan-Events werden heute unvorhersehbare Geschehnisse mit dramatischen Auswirkungen bezeichnet. Nassim Taleb ist der Meinung, dass die Vorhersage solcher Ereignisse so gut wie unmöglich ist und angebliche Propheten wie Börsengurus in Wirklichkeit wenig bis nichts zu sagen haben.

Die Cash Cow

Astrid spaziert weiter zur Cash Cow: So ein Tier hätte natürlich jeder von uns gerne, denn die Cash Cow – auf Deutsch nur unzureichend mit Cash-Kuh zu übersetzen – sorgt für stete Einnahmen bei überschaubaren Kosten. Gibt es sie in großen Konzernen, kann das mitunter dazu führen, dass andere, weniger profitable Bereiche lange vernachlässigt werden.

Bild einer Spardose in Form einer Kuh die eine Haut aus Geldscheinen hat
Eine Cash-Cow hätte jeder gern - auch wenn die Gefahr besteht daneben andere Bereiche zu vernachlässigen. Foto © CC0 Licence

Der Gorilla

Das nächste Tier des Business-Zoos flößt Astrid Respekt ein: Der Gorilla ist nicht nur in der freien Wildbahn, sondern auch im Business stark und beeindruckend. Damit werden die dominierenden Unternehmen einer Branche bezeichnet, die allerdings keine Monopolisten sind. Dank ihrer Vorherrschaft am Markt können sie viel riskieren. Keiner wagt es, sie zu attackieren.

Die lahme Ente

Da sitzt doch eine lahme Ente! Dieser Begriff stammt eigentlich aus der Börsenwelt und umschreibt einen Investor, der die Verluste nicht mehr ausgleichen kann. Unter lahmen Enten versteht man aber heute in der Wirtschaft auch jene Unternehmen, die wenig Offensivkraft entwickeln können; in der Politik bezeichnen sie handlungsunfähige Politiker, wie etwa den amerikanischen Präsidenten, der noch bis mit Januar im Amt ist, obwohl im November des Vorjahres bereits ein neuer Präsident gewählt wurde.

Bild einer Babyente
Die lahme Ente ist wenig offensiv - der Begriff wird sowohl in der Wirtschaft, als auch in der Politik verwendet. Foto © CC0 Licence

Die Haifische

Im Aquarium des Business-Tiergartens bewundert Astrid noch die Haifische, die ihre Runden drehen und auf der Ausschau nach Beute sind. Sie gelten als Symbol für angriffslustige, hungrige Konkurrenten, die keine Gelegenheit auslassen, um rasch zuzuschlagen.

Und zu guter Letzt: Die Aasgeier und die Heuschrecken

entdeckt Astrid bei ihrem Rundgang in einem gemeinsamen Gehege: Beide Tiere sind Symbole für Investoren wie beispielsweise bestimmte Hedgefonds, die geschwächte Unternehmen nur wegen kurzfristiger Gewinne übernehmen und an einer langfristigen Entwicklung gar nicht interessiert sind.

Am Ende zieht es Astrid wieder dorthin, von wo aus sie ihren Rundgang gestartet hat: Die Zebras sind ihr nämlich entschieden sympathischer.

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