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3 Erfolgsgeheimnisse aus dem Silicon Valley

08. März 2019

von Prof. Nikolaus Franke

Das Silicon Valley ist einer der Fortschrittsmotoren der Welt. Unicorns wie Apple, Facebook, Amazon oder Google haben mit ihren Innovationen innerhalb von kurzer Zeit unvorstellbaren Wert geschaffen, etablierte Industrien disruptiert und unser aller Leben verändert. Das Silicon Valley steht nie still. Etablierte Unternehmen erfinden sich permanent neu und ständig entstehen Start-ups mit neuen Ideen, neuen Produkten, neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen, getrieben von Ehrgeiz und dem Glauben an den ganz großen Erfolg.

 

 

Bild der Golden Gate Bridge symbolisch für das Silicon Valley und dessen Innovation Kraft
Das Silicon Valley bei San Francisco steht nie still. Was aber macht das Silicon Valley so besonders? Foto © CC0 Licence

Was aber macht das Silicon Valley so besonders? Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses dynamischen Ökosystems? Was können wir lernen? Prof. Nikolaus Franke, wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation, hat sich aus wissenschaftlicher Sicht die 3 auffälligsten Elemente angesehen:

 

1. Offenheit trifft auf Leistungsstärke und Professionalität

Da sind zunächst die Institutionen an sich. Die Stanford University, die Tech-Giganten und die großen Venture Capital Unternehmen und viele andere Player sind bereits für sich genommen beeindruckend in ihrer jeweiligen Leistungsstärke und Professionalität. Doch erst ihr enges Zusammenwirken hilft, das Phänomen Silicon Valley zu verstehen. Wie Zahnräder greifen hier Wissenschaft und Praxis, Technologie und Wirtschaft, Kapital und Entrepreneure, etablierte Unternehmen und Start-ups ineinander. Die Barrieren sind niedrig, Offenheit und der Wille zum Austausch groß. Inkubatoren, Akzeleratoren, Beratungsunternehmen und Co-Working-Spaces unterstützen das Zusammenspiel der Institutionen zusätzlich wie Schmieröl eine Maschine. Das Ergebnis sind permanente Innovationsexperimente. Natürlich gehen manche von ihnen schief, doch auch aus ihnen entstehen neue Ideen und man begreift sie als Lernchance. Die konstruktive Fehlerkultur ist im Silicon Valley mit den Händen zu greifen. Und viele Experimente „greifen“ und werden dann in atemberaubender Geschwindigkeit groß. Airbnb ist erst 11 Jahre alt, besitzt kein einziges Gebäude und ist schon jetzt wertvoller als die größten Hotelketten. Uber ist mit 10 Jahren noch jünger, besitzt kein Auto, fertigt nichts und ist doch mehr wert als die meisten Automobilhersteller.

 

2. Ständiger Austausch von Menschen, Technologien und Ideen

Der komplementäre Austausch findet auch auf der individuellen Ebene statt. MitarbeiterInnen bleiben im Vergleich zu Europa deutlich kürzer bei einem Arbeitgeber. Das kalifornische Recht ermöglicht extrem schnelle Wechsel. Überspitzt gesagt: MitarbeiterInnen, denen es am Vormittag bei einem Projekt zu langweilig wird oder feststellen, dass sie mit ihren Ideen nicht durchkommen, können am Nachmittag bei einem anderen Unternehmen anfangen. Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern kann man auch zu einem Wettbewerber wechseln und viele MitarbeiterInnen tun dies auch. Das Wissen diffundiert auf diese Weise enorm schnell durch das System. Permanent ergeben sich neue Verbindungen von Menschen, Technologien und Ideen. Schon Schumpeter hat die Neukombination als das Wesen der Innovation beschrieben. Im Silicon Valley ist sie Programm.

 

Unternehmen tun viel, um diesen Austausch zu unterstützen. Die Büros von etablierten Unternehmen wie Facebook, SAP oder Google gleichen modernen Uni-Campuses mit offener Architektur, Licht und Raum für Zusammenarbeit. Wer eine Idee hat, kann sie sofort teilen und mit anderen diskutieren – virtuell, aber auch ganz direkt. Projektteams entstehen organisch und dezentral. Hat eine Idee Potenzial, dann kann sie sich sehr schnell entwickeln.

Bild einer Gruppe die Ideen zur Innovation diskutiert
Unternehmen im silicon Valley motivieren ihre MitarbeiterInnen dazu, Ideen zu teilen und zu diskutieren - die Verbindung von Menschen, Technologien und Ideen wird wertgeschätzt und gefördert. Foto © CC0 Licence

3. Innovationsfördernde Kultur als Nährboden

Getragen wird das System von Menschen. Das Silicon Valley ist wie ein Magnet. Viele, die hier arbeiten, sind nicht hier geboren, sondern bewusst hingezogen. In fast der Hälfte der Haushalte wird nicht Englisch gesprochen. Doch trotz ihrer Unterschiedlichkeit teilen sie gemeinsame Eigenschaften wie Offenheit, Optimismus und Selbstvertrauen. Understatement und Verzagtheit sucht man hier vergeblich. „Think big“ ist die weit geteilte Vision und man begeistert sich für Innovation. Auf den Straßen fahren autonome Autos, im Kaffeehaus wird man von einem Roboter bedient. Im Amazon Go Shop gibt es keine Warteschlange und überhaupt keine Kasse – man nimmt die Produkte einfach aus dem Regal und geht. Sekundenlang fühlt man sich wie ein Ladendieb, doch dann erhält man die Rechnung auf das Handy. Dieses Klima ist ein Nährboden für Innovation.

Tafel auf der Think Big steht
"Think Big" ist die Vision des Silicon Valley. Foto © CC0 Licence

Fazit

Natürlich ist das Silicon Valley nicht nur unternehmerisches Paradies. Wo Licht ist, gibt es auch Schattenseiten, und manche Dinge funktionieren bei uns besser als in der Bay Area. Dort sind auch Überhitzungserscheinungen wie Staus und kaputte Straßen, eine große Zahl von Obdachlosen und explodierende Preise für Häuser und Wohnraum unübersehbar. Idealerweise versuchen wir also, die positiven Elemente des Silicon Valley wie Offenheit, Kooperation und die innovationsfördernde Kultur zu übernehmen, ohne unsere eigenen Stärken wie Gründlichkeit, Qualität und eine relative soziale Gleichheit zu vernachlässigen.

 

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