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Career Story: Anastasia Yushkova, ANCHOR-VR

15.05.2018

Professional MBA Marketing & Sales Alumna

Welches waren die prägendsten Stationen in Ihrem bisherigen Leben? Warum?

Ich bin, was meine Ausbildung angeht, Journalistin, und mein Studium an der publizistischen Fakultät der Staatlichen Universität Moskau war sehr prägend. Das war Anfang der 1990er-Jahre, zu einer Zeit, als die Welt sich völlig veränderte. Der Kalte Krieg war vorüber, der Eiserne Vorhang fiel, Freiheit und Hoffnung lagen in der Luft. Zwar hatten wir es damals nicht einfach – manchmal saßen wir im Winter in ungeheizten Hörsälen –, aber wir sahen, wie die ganze Welt sich vor uns auftat, nahmen die Herausforderung an und erkundeten all die neuen Möglichkeiten. Für junge JournalistInnen wie mich und meine KommilitonInnen war diese Zeit in besonderer Weise einmalig, weil es Pressefreiheit gab – heutzutage ein echter Luxus. Die Archive wurden geöffnet, viele bedeutende Menschen konnten in der Öffentlichkeit sprechen, eine neue Sprache hielt Einzug in den russischen Journalismus. Uns bot sich die Chance, alles zu lernen, und wir nutzten sie, so gut wir nur konnten.

 

Nach Abschluss meines Studiums begann ich, bei ELLE in Russland zu arbeiten. Dieses internationale Modemagazin war erst kurz zuvor auf dem russischen Markt lanciert worden und stellte ein absolutes Novum dar – für LeserInnen und MacherInnen gleichermaßen. Dort tätig zu sein, war für mich eine hervorragende berufliche Schule. Stellen Sie sich ein kleines Büro mit großen Fenstern in einem bekannten konstruktivistischen „Haus am Wasser“ mit Blick auf den Kreml und die Moskwa vor, in dem Menschen aus verschiedenen Ländern – Russland, Amerika, Frankreich, Kanada, Italien, Polen – gemeinsam etwas schufen, was es bis dahin nicht gegeben hatte. Wir scheuten uns nicht vor Experimenten und lernten voneinander. Der Journalismus neuer Prägung entstand vor unseren Augen und als Ergebnis unseres Engagements. Was für aufregende Zeiten!

 

Mitte der Nullerjahre beschloss ich, zu einem Männermagazin zu wechseln, weil ich mich auf weniger kommerzielle, seriösere Inhalte konzentrieren wollte, und erhielt das Angebot, die Leitung des ersten internationalen Jachtmagazins in Russland – Boat International, Russia – zu übernehmen. Damals hatte ich neun Jahre Erfahrung mit journalistischer und redaktioneller Arbeit, dem Produzieren von Inhalten, der Betreuung von AutorInnen und der Jagd nach guten Storys. Aber meine neue Tätigkeit verlangte eine etwas andere Art von Erfahrung: Ich war für die Gesamtleitung des Projekts zuständig – musste also das Team zusammenstellen und einarbeiten, das Design entwickeln, mich um die Feinabstimmung des Produktionsprozesses kümmern und den Kontakt zu unserer Zentrale in London sowie zu anderen Magazinen der Gruppe pflegen. Aber die wirkliche Herausforderung bestand darin, dass ich gefordert war, mir neue Management-, Marketing- und Vertriebskompetenzen anzueignen. In vielerlei Hinsicht hatte ich eigentlich die Aufgabe, strategische Planung und Key Account Management zu betreiben. Und meine Key Accounts waren überwiegend Fachleute aus der Superjachtbranche: ArchitektInnen, DesignerInnen, MaklerInnen, SchiffsbauerInnen. Da konnte es schon um mehrere hundert Millionen Dollar oder Euro gehen. Die ganze Sache entwickelte sich sehr gut: Das Magazin amortisierte sich in nur drei Jahren, was damals selbst bei größeren Magazinen einem Rekord gleichkam. Zudem wurde das Lifestyleformat, das mit uns Eingang in die Jachtpresse gefunden hatte, sehr bald auch von unserer Mutterpublikation im Vereinigten Königreich übernommen.

 

Nach der globalen Finanzkrise 2008 kam es in der Medienwelt zu einem tiefgreifenden Wandel. In der Werbebranche wurde man in puncto Ausgaben zurückhaltender und im Bereich der Printmedien führten digitale Technologien zur Disruption traditioneller Geschäftsmodelle. Auch bei der Kommunikation gab es gravierende Veränderungen: Der Prozess lief manchmal nicht mehr über die Medien, sondern über B2B-Kanäle direkt zwischen Unternehmen und AbnehmerInnen. MedienmanagerInnen waren gefordert, sich den neuen Tatsachen zu stellen. Ich war damals in leitender Funktion bei einem anderen großen Magazin, das sich dem Thema Jachten und Segelsport widmete, tätig – nämlich „Yachting, Russia’s Premier Marine Magazine” – und hatte das Ziel, in den Digitalbereich einzusteigen und neue Formate zu testen. Wir lancierten eine iPad-Version des Magazins samt Facebook-Seite. Schlussendlich erreichten wir über Social Media ein größeres Publikum als mit der Printausgabe.

 

Während meiner Zeit als Herausgeberin eines Jachtmagazins wurde mir bewusst, dass es damals in Russland nur sehr wenige internationale Events zu diesem Thema gab, und das, obwohl die Jachtgemeinde stetig wuchs und sich auch die breite Öffentlichkeit zunehmend für Jachten interessierte. Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 wurde an der Schwarzmeerküste ein großer Jachthafen namens Sochi Grand Marina errichtet, der als erster in Russland internationales Niveau hatte. Der Eigentümer des Hafens, das größte Schifffahrtsunternehmen Russlands –SCF–, beschloss, ein Event zu organisieren, um die russische Schwarzmeerküste als Segeldestination zu bewerben, und trat mit dem Angebot an mich heran, Kommunikationschefin der SCF Black Sea Tall Ships Regatta 2014 zu werden. Als solche war ich dafür verantwortlich, die Kommunikationsstrategie für das Event zu entwickeln und die Beziehungen zu den HauptsponsorInnen (SCF, Transneft, Gazprom) zu pflegen. Ferner verfolgte ich das Ziel, für den Sochi Marine Club und die Sochi Grand Marina eine internationale Entwicklungsstrategie zu erarbeiten.

 

Hatten Sie ursprünglich einen anderen Berufswunsch? Wenn ja, warum ist daraus nichts geworden?

Wie bereits erwähnt, war ich früher Journalistin. Nach Abschluss des Studiums an der WU Executive Academy fasste ich den Entschluss, mein eigenes Unternehmen, ANCHOR-VR, zu gründen und als CEO zu leiten. ANCHOR-VR ist auf Virtual- und Augmented-Reality-Lösungen für die Superjachtbranche – und zwar sowohl für Jachtneubauten als auch für Kommissionsjachten – spezialisiert. Ich denke, dass dieses Projekt die logische Fortsetzung meiner Tätigkeit im Kommunikations- und Jachtgeschäft ist. VR/AR hat sich ohne Frage zu einem neuen Kommunikationsmedium entwickelt, das eine überaus schlagkräftige Plattform bietet, wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen, Ideen auszutauschen und Neues zu erschaffen.  

 

Wie und warum hat es Sie zu ANCHOR-VR verschlagen?

Es war immer mein Traum, einmal selbst ein Unternehmen zu gründen. Ich setzte mich mit verschiedenen Möglichkeiten auseinander und war von virtueller Realität und ihrem Zukunftspotential fasziniert. Was ist der Hauptgrund dafür? Nun, da gibt es nicht nur einen, sondern viele. Ich lese gerade ein neues Buch von Jaron Lanier, einem der Pioniere auf dem Gebiet der VR. Von ihm stammen viele großartige Definitionen, was VR ist. So sagt er beispielsweise, dass es sich bei VR um eine Kunstform des 21. Jahrhunderts handle, welche die drei großen Kunstformen des 20. Jahrhunderts – Kino, Jazz und Programmieren – eng miteinander verbinden werde. Einigen Menschen fällt es schwer, an VR zu glauben. Sie sagen, an VR sei alles unwirklich, und weigern sich, Datenbrillen oder andere HMD-Systeme zu nutzen. Aber als das Kino Anfang des 20. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen steckte, ergriffen viele vor dem Zug, der in einem frühen Film der Brüder Lumière in den Bahnhof einfährt, auch die Flucht. Das ist einer der Gründe, warum ich mit VR-Technologie arbeiten möchte: Ich sehe in ihr viel Potential, Spaß und Inspiration. Sie ermöglicht es uns, wenn man so will, die Zukunft zu „begreifen“.

 

Was hat sich nach Ihrem MBA-Studium beruflich verändert? Wie war Ihnen die Ausbildung (topaktuelles Wissen, Fertigkeiten, Netzwerken) dabei behilflich, Ihre Karriereziele zu erreichen? Welche konkreten Entwicklungsmöglichkeiten (Beförderungen, Kompetenzen etc.) ergaben sich daraus?

Nach dem MBA-Studium ist bei mir beruflich kein Stein auf dem anderen geblieben. Vor allem habe ich den Entschluss gefasst, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das Programm war mir dabei behilflich, über meine berufliche Erfahrung in den Bereichen Kommunikation und Management Bilanz zu ziehen und sie zu strukturieren. Im Unterricht beleuchteten wir die Themen Wirtschaft und Unternehmensführung aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln, von traditionellem Finanzmanagement bis hin zu weniger traditionellem Neuromarketing – und dazwischen befassten wir uns unter anderem mit Key Account Management, digitalem Marketing und Logistik. Durch das Netzwerken mit StudienkollegInnen unterschiedlichster geographischer und beruflicher Herkunft und das gemeinsame Bearbeiten verschiedenster Fallbeispiele war es mir möglich, eine externe Sicht auf mich zu erhalten und mir meine Stärken und Schwächen zu vergegenwärtigen. Das Programm ist absolut brillant, denn es erlaubt einem, sich selbst in einem größeren Zusammenhang zu sehen, was es leichter macht, seine langfristige Karriereentwicklung zu planen, die sich bisweilen von der enger gefassten Perspektive, wie man sie beispielsweise von Vorgesetzten oder HR-Verantwortlichen bekommt, unterscheidet. Das größere Ganze im Blick zu haben, ist hilfreich, wenn es darum geht, im Leben Prioritäten zu setzen.

 

Welches war Ihr größter beruflicher/persönlicher Erfolg?

Vielleicht, dass ich meinen erzielten Erfolgen nicht nachhänge und vorwärtsstrebe.

 

Welches sind Ihre Ziele im kommenden Jahr? Ihre Ziele überhaupt? Gibt es etwas, was Sie unbedingt noch machen wollen?

Ich möchte mein Unternehmen entwickeln, meine Hypothesen testen und mich mit weiteren PartnerInnen und KundInnen, wie zum Beispiel BranchenführerInnen im Superjachtbereich, austauschen, um Investitionen herbeizuführen. Auf lange Sicht will ich ein nachhaltiges Unternehmen aufbauen, das die überaus konservative Branche des Jachtdesigns und -baus vielleicht zu transformieren vermag und, was das Wichtigste ist, durch die Nutzung der Vorteile von VR den späteren EignerInnen die Möglichkeit gibt, ihre künftige Jacht mitzugestalten.

 

Was meine persönlichen Ziele angeht, so möchte ich an dieser Stelle von einem Aufenthalt auf Borneo, einer Insel in Südostasien, berichten. Ich traf dort einen einheimischen Fremdenführer, der mir von Plätzen auf der Insel erzählte – tief im Dschungel, drei Tagesreisen mit dem Boot entfernt –, an denen man morgens aus der Holzhütte kommt und plötzlich einen Schmetterling zweimal so groß wie ein Handteller auf der Schulter sitzen sieht. Dort will ich irgendwann einmal unbedingt hin.

 

Was bedeutet für Sie „wahren Luxus“?

Zeit. Solange man jung ist, fällt es einem unglaublich schwer, sich ihres Wertes bewusst zu sein. Alles scheint unvergänglich. Als ich in den späten 1990er-Jahren bei ELLE arbeitete, interviewte ich, hoch oben in den Bergen, einen Schweizer Hersteller von Luxusuhren. Unter anderem fragte ich ihn, warum selbst sehr schlichte Uhren so teuer seien. Er erklärte mir, dass es bei Uhren auf alles ankomme: hochwertige Materialien, präzise Mechanismen, Innovativität, Tradition und Kunstfertigkeit. Sobald Uhren von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, was ja oft der Fall ist, rufen sie uns die Zeit wieder ins Gedächtnis. Man sollte sich vor ihr nicht fürchten, sie aber zu schätzen wissen.

 

Das letzte Buch/der letzte Film, wofür Sie sich begeistern konnten?

Im Bereich Fiction war das „Baudolino” von Umberto Eco, im Bereich Non-Fiction „Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen” von Nassim Nicholas Taleb.

 

Wie würden Sie Ihre Führungsphilosophie beschreiben? Hatten Sie ein großes „Vorbild“?

Meine Führungsphilosophie fußt auf persönlicher Verantwortung. Ich denke, es ist sehr wichtig, gleichsam die eigene Haut zu Markte zu tragen. Alles andere ist oberflächlich.

 

Wie schöpfen Sie abseits Ihres anspruchsvollen Berufes Kraft?

Ich liebe das Meer, und manchmal muss ich am Meer sein, um wieder in Einklang mit der Natur zu gelangen. Das Meer ist meine Energie- und Inspirationsquelle.

 

Mit wem würden Sie gern einmal für einen Tag tauschen?

Vielleicht mit einem Astronauten. Ich würde die Erde gern mit eigenen Augen vom Weltall aus sehen.

 

Warum würden Sie den Professional MBA Marketing & Sales der WU Executive Academy empfehlen? Was hat Ihnen am besten gefallen?

Von der Atmosphäre an der WU Executive Academy war ich hellauf begeistert, höchst professionell und freundlich. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass die WU die älteste Wirtschaftsuniversität Europas ist, ihr Campus aber zu den modernsten gehört. Die WU-Bibliothek beispielsweise hat Zaha Hadid entworfen. Das Aufnahmeverfahren war anspruchsvoll, aber nicht allzu stressig, das Stipendiensystem ein willkommenes Plus. Ich schätzte das hohe Niveau der zum Studium zugelassenen TeilnehmerInnen, die aus der ganzen Welt kamen – die Vereinigten Staaten waren ebenso vertreten wie Singapur, der Nahe Osten, Brasilien und China. Was das eigentliche Studieren anging, war alles im Vorhinein geplant worden und somit für einen reibungslosen Ablauf gesorgt. Sämtliche Fristen wurden einem vorab mitgeteilt, sodass man sich die Zeit entsprechend einteilen und die Weiterbildung gut mit dem Leben abseits der Universität vereinbaren konnte. Abgesehen von all dem, ist Wien für Studierende eine wunderbare Stadt mit großartigem Erbe, moderner Infrastruktur, kosmopolitischem Charakter und einer Vielzahl schöner Orte zum Genießen nach dem Lernen – egal ob Oper, Museum oder herrlicher Park. Der WU-Ball im Jänner bietet zweifellos eine hervorragende Gelegenheit, mit den KlassenkollegInnen auch nach Abschluss der Weiterbildung in Kontakt zu bleiben. Und ein Studium an der WU hat noch einen tollen Vorteil: Man lernt Walzer tanzen.

Wordrap

Mein Lebensmotto:
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Darüber kann ich lachen:
Falschmeldungen und Propaganda. Beides wird weltweit zu mächtig. Als gelernte Journalistin habe ich dagegen aber sozusagen einen guten Impfstoff.
Fehler, die ich am ehesten verzeihe:
Der Teufel steckt, glaube ich, im Detail. Häufig verbringt man zu viel Zeit damit, etwas perfekt machen zu wollen. Dabei kommt es oft nur darauf an, die Sache möglichst einfach zu erledigen. Das ist eine der Erkenntnisse, zu denen ich im Zuge des MBA-Studiums gelangt bin, und zwar dank meines Kommilitonen aus Tschechien, der bei Gruppenhausarbeiten mein Partner war.
Mein letztes Geld würde ich ausgeben um ...
Zu reisen, denn dabei kann man die Schönheit und Vielfalt der Welt entdecken.
In 20 Jahren werde ich:
Noch immer gewillt sein, die Welt zu verändern.

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