Die wichtigsten Weiterbildungstrends für Führungskräfte 2024

17. Januar 2024

Individuelle und fachliche Kompetenzen im Fokus

Nach persönlicher und unternehmerischer Resilienz, Strategic Foresight und ausgeprägten Pionier-Qualitäten 2023 zählen für Führungskräfte BANI-Skills im neuen Jahr mehr denn je: mit Fokus auf Individualität, KI und Nachhaltigkeit.

Welche zwei Weiterbildungs-Schwerpunkte für Führungskräfte 2024 besonders wichtig sein werden, analysiert Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy.

Welche Weiterbildungs-Schwerpunkte sollte man in 2024 auf jeden Fall beachten? Bild: shutterstock, tete-escape
Welche Weiterbildungs-Schwerpunkte sollte man in 2024 auf jeden Fall beachten? Bild: shutterstock, tete-escape

In einer Zeit tiefgreifender Transformation stehen wir vor neuen Herausforderungen, in der Gewissheiten schwinden und bis dato erfolgreiche Methoden in Frage gestellt werden. Es ist eine Zeit persönlicher Unsicherheit, aber auch eine Chance, sich neu zu orientieren und richtig für die Zukunft aufzustellen. Dieser Wandel erfordert von Führungskräften neue Ressourcen und oft bedeutet das auch, sich über (noch nicht) bekannte Netzwerke neue Wege zu erschließen.

Individuum vs. fachliche Kompetenzen

Deshalb setzt Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, im neuen Jahr mit ihrem Team auf zwei zentrale Säulen in der Executive Education: die Weiterentwicklung des Individuums und die fachlich-inhaltliche Ebene:

"Die Führungskräfteentwicklung konzentriert sich im neuen Jahr stärker als bisher darauf, das Individuum und seine Entwicklung als Leader*in in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig auch den aktuellen fachlichen Anforderungen zu entsprechen. Denn es ist nicht nur entscheidend, wer man als Führungskraft ist und was sowohl man selbst als auch die Organisation brauchen, sondern auch ob man technologisch „fit“ und anschlussfähig ist."

Barbara Stöttinger unterstreicht 2 grundlegende Richtungen für das neue Jahr, die den Weiterbildungsbedarf von Führungskräften prägen werden:

1. Fokus auf das Individuum

Der Mensch im Mittelpunkt

In der Hektik des Tagesgeschäfts gerät oft die menschliche Komponente in den Hintergrund. Es entsteht ein Druck, nicht nur betriebliche Ziele erreichen zu müssen, sondern den Mitarbeitenden auch Sinn zu vermitteln und als attraktive*r Arbeitgeber*in aufzutreten.

Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy

Barbara Stöttinger

  • Dekanin der WU Executive Academy

Die individuelle Haltung der Führungskraft wird wichtiger denn je. Führungskräfte müssen – in Abstimmung mit den unternehmerischen Vorgaben – noch deutlicher als bisher ihre eigenen Werte, Ziele und Pläne definieren, um in unsicheren Zeiten eine klare Richtung vorzugeben.

Es ist auch wichtig, die Mitarbeitenden mit ihren individuellen Werten und Bedürfnissen abzuholen und diese Themen zu diskutieren. Denn: „Letztlich basiert der Erfolg einer Organisation auf der Leistung und dem Einsatz jedes einzelnen, was bedeutet, dass Wandel in einem Unternehmen nur erfolgreich stattfinden kann, wenn er beim Individuum beginnt. Nachhaltigkeit muss daher auch auf individueller Ebene verinnerlicht werden, nicht nur als Teil der Unternehmensziele.“ Daher rät die Dekanin Führungskräften auch, es ihren Teams zu ermöglichen, eigene Projekte und Initiativen zu starten und voranzutreiben – „denn das steigert nicht nur die Motivation, sondern entlastet auch die Führungskräfte.“

Peer Coaching und Mentoring

„Peer Coaching und damit verbunden auch Mentoring wird für die persönliche Weiterentwicklung in Bezug auf Leadership und Karriere immer wichtiger“, so Stöttinger. Beides findet auch an der WU Executive Academy in den MBA-Programmen und im Alumni-Bereich verstärkt statt. „Der Austausch mit Gleichgesinnten ermöglicht kreative Lösungsansätze, um gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen. Netzwerken wird dabei nicht nur für berufliche Chancen genutzt, sondern auch als Unterstützung in schwierigen Lebensphasen und für die persönliche Weiterentwicklung (als Führungskraft). Häufig wurden nämlich Probleme, die in einem Unternehmen vorkommen, bereits in anderen Industrien, Branchen oder Märkten erfolgreich gelöst – und von diesem reichen Erfahrungsschatz profitieren sowohl Mentee als auch Mentor*in. Gerade Reverse- bzw. Cross Mentoring und Peer Coaching sind dabei äußerst hilfreich, weil es besonders Führungskräften – vor allem auch durch generationsübergreifenden Austausch – technologische Anschlussfähigkeit ermöglicht und neue Perspektiven und Lösungsansätze für Situationen bietet, die auf den ersten Blick unlösbar scheinen“, so Stöttinger.

Mentoring bietet einen branchen-, markt- und generationsübergreifenden Austausch. Bild: shutterstock, stoatphoto
Mentoring bietet einen branchen-, markt- und generationsübergreifenden Austausch. Bild: shutterstock, stoatphoto

2. Fokus auf die inhaltliche Weiterentwicklung

KI und digitaler Humanismus

Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz erfordert bewusste Entscheidungen von Führungskräften, denn im Sinne des digitalen Humanismus ist ein harmonisches Miteinander von natürlicher und künstlicher Intelligenz nur dann möglich, wenn neue Technologien zum Nutzen des Menschen eingesetzt werden und nicht umgekehrt. Hier spielen gerade Führungskräfte und ihre (ethischen) Wertvorstellungen eine entscheidende Rolle.

"Es ist daher wichtig, bewusst und schrittweise an das Thema KI heranzugehen, Erfahrungen zu sammeln und zu verstehen, was KI kann und was nicht – und vor allem auch gemeinsam zu analysieren, ob und wo KI-Anwendungen im eigenen Unternehmen Sinn machen", erklärt Stöttinger. "Experimentieren in kleinen Schritten hilft, das Thema greifbar zu machen und unnötiges Drama rund um die Gefahren von KI zu vermeiden. Als Faustregel gilt: KI dort einsetzen, wo sie einen Mehrwert für die Menschen im Unternehmen schafft, und dort weglassen, wo Komplexität erhöht wird oder Mitarbeitenden Nachteile durch die Anwendung von KI entstehen."

Nachhaltigkeit als unverhandelbare Priorität

Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement ist für Unternehmen heute keine Kür mehr, sondern Pflicht. Es verbessert nämlich nicht nur die Markenreputation und hilft dabei, gesellschaftliche und regulatorische Erwartungen zu erfüllen, sondern fördert auch die langfristige finanzielle Stabilität des Unternehmens. Durch die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie können außerdem Risiken besser gemanagt und Innovationen vorangetrieben werden. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und bildet die Basis für eine langfristige, verantwortungsbewusste Unternehmensführung.

Das Thema Nachhaltigkeit ist kein „Nice to Have“ mehr, sondern muss in irgendeiner Form in der Unternehmensstrategie verankert sein. Bild: shutterstock – chayanuphol
Das Thema Nachhaltigkeit ist kein „Nice to Have“ mehr, sondern muss in irgendeiner Form in der Unternehmensstrategie verankert sein. Bild: shutterstock – chayanuphol

„Aber, gerade weil das Thema Nachhaltigkeit viel zu komplex ist, als dass es strategisch von oben verordnet werden kann, ist es so wichtig, die gesamte Organisation einzubeziehen, um das Thema greifbar zu machen“, so Stöttinger. „Die Agenden zur Nachhaltigkeit sind stark mit den Werten eines Unternehmens, aber auch mit den individuellen Werten der Mitarbeitenden verbunden. Umso wichtiger ist es, derart große Themenbrocken verständlich in kleinere, überschaubare Aspekte herunterzubrechen.“

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