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Digitalisierung vs. Globalisierung

12. April 2019

Megatrend als Chance oder Gefahr?

Wenn sich die Geschichte wiederholt: War es die Globalisierung in den 1980ern, so ist es heute die Digitalisierung. Beide Megatrends schür(t)en die kollektive Angst in den Köpfen der Menschen und lassen dabei vergessen, wie sehr – bei all den möglichen Gefahren - das Positive überwiegt. Warum Ängste gegenüber den zwei Megatrends verständlich, aber nicht zielführend sind, erklärt Prof. Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy.

Bild einer digital vernetzten Welt
Digitalisierung und Globalisierung - zwei Megatrends, die auch Ängste schüren. Foto © CC0 Licence

„Das Ende der nationalen Eigenheiten naht.“ So lautete die Grundaussage in jenem berühmten Artikel von Harvard-Wirtschaftsprofessor Theodor Levitt im Jahr 1983. Während Unternehmen viel Geld und Ressourcen für die Adaptierung ihrer Produkte an lokale Märkte in verschiedenen Ländern aufwenden müssten, würden globale agierende Konzerne eine vielversprechendere Strategie verfolgen: nämlich einfach dieselben Produkte, die jeder haben will, global auszurollen. Dieser Artikel beschwor dunkle Ängste vor der beginnenden Globalisierung herauf, die lokale Unternehmen völlig zerstören, Märkte verunsichern, KonsumentInnen mit standardisierten Produkten überschwemmen und Volkswirtschaften bedrohen könnte.

 

Die Chance, nicht die Gefahr sehen

„Damals haben alle geglaubt, die Globalisierung wird furchtbar werden: nur mehr große Marken und Konzerne werden überleben“, erinnert sich Prof. Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy. „Die kollektive Angst war ähnlich spürbar wie heute, wenn es um die Digitalisierung geht. Doch beides ist nicht schicksalsgegeben – es ist von Menschen gemacht und damit beeinflussbar.“ Die Ängste vor der Globalisierung bewahrheiten sich nur bedingt. Heute sind die Volkswirtschaften zwar durch intensiven Import- und Exporthandel eng miteinander verwoben, politische Entscheidungen – etwa jene der USA zur geplanten Verhängung von europäischen Auto-Zöllen – können sich empfindlich auf sie auswirken. Auch die Finanzkrise mit allem voran der Lehman-Pleite in den USA im Jahr 2008 hatte massive globale Auswirkungen. Doch gesamt betrachtet sind weder die Globalisierung noch die Digitalisierung per se schlecht. „Es ist unsere Verantwortung als ForscherInnen, WirtschaftslenkerInnen, PolitikerInnen und BürgerInnen, was wir daraus machen“, konstatiert Barbara Stöttinger. Warum wir uns nicht von unseren Ängsten beherrschen lassen sollten:

 

1. Der Vorteil überwiegt mittelfristig

Die Globalisierung ist kein neues Phänomen. Sie hat bereits vor Jahrhunderten eingesetzt, als mit der Entdeckung der neuen Welt internationaler Handel betrieben wurde. Schon in der Römerzeit gelangten orientalische Gewürze, Seide aus Asien und dem Orient in den Westen. Die Konquistadoren brachten ab Ende des 15. Jahrhundert Krankheiten in die Neue Welt und Gold und Silber nach Europa zurück. Der Handel brachte immer auch die Märkte zum Blühen.

Bild eines alten Segelschiffes
Internationalen Handel gibt es schon seit der Entdeckung der neuen Welt, und sogar davor, über die Seidenstraße. Foto © CC0 Licence

Heute ist durch die Globalisierung in den vergangenen 30 Jahren die weltweite Armut gesunken, mehr Menschen haben Zugang zu Bildung erhalten, das Wirtschaftswachstum ist gestiegen. Und: wären die Nationalstaaten nicht wirtschaftlich miteinander verflochten, wären große Kriege wohl deutlich wahrscheinlicher.

 

Auch bei der Digitalisierung zeichnen sich positive Effekte auf die Gesamtgesellschaft ab. Laut der Bertelsmann Stiftung kam es für Unternehmen zu massiven Kostensenkungen in Transport und Kommunikation. Die Digitalisierung trug bisher zu höherem Wirtschaftswachstum bei. „Schlagzeilen wie: „Jeder vierte Job ist gefährdet“, zeigen, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit. Unliebsame Routine-Aufgaben werden digitalisiert, das betrifft Jobs auf unterschiedlichsten Levels“, sagt Barbara Stöttinger. Aber: „Es werden künftig viele neue Berufsbilder geschaffen, wie etwa der Beruf des Data Scientist, der ein enormes Potenzial bietet.“ Übrigens ein Grund, warum die WU Executive Academy dafür einen eigenen Lehrgang zum „Data Scientist“ geschaffen hat. Die Chancen zeigen sich auch rückblickend: Im Jahr 2008 erschien in Österreich das erste Online-Inserat. Damals gab es einen Schock für das Offline-Marketing. Seither prosperieren Online-Agenturen, auch hier bildeten sich neue Berufschancen heraus. „Wichtig ist es, mit der Digitalisierung zu gehen und ihre Chancen zu nützen“, sagt Barbara Stöttinger.

Bild eines Mannes der am Laptop arbeitet
Data Scientist ist eines der neuen Berufsbilder, die durch die Digitalisierung geschaffen wurden. Foto © CC0 Licence

2. Jede Bewegung führt zur Gegenbewegung

Globale Marken sind überall, in allen Einkaufsstraßen der Metropolen dieser Welt findet man dieselben Modeketten. Billige Produkte aus China zerstören kleine regionale Handwerksbetriebe. All das kennen wir. Mit dem Bewusstsein darüber entsteht aber auch eine Gegenströmung: Die Nachfrage zu regionalen, hochwertigen Produkten ist gerade bei der urbanen westlichen Bevölkerung im Steigen begriffen. Man gönnt sich regionalen Luxus statt globalisierter Billigware.

 

Im Bereich Digitalisierung gibt es ebenso eine Strömung, die einen bewussteren Umgang mit dem Internet und digitalen Gewohnheiten propagiert. Digital Detox nennt sich das Phänomen, das MitarbeiterInnen und ManagerInnen gleichermaßen ganz analog in die Abgeschiedenheit der Berge oder Wälder treibt. Achtsamkeit ist im Kommen, um den Fokus in dieser schnelllebigen Zeit wieder auf den Moment und das eigene Innenleben zu lenken. Es geht um das richtige Maß und um den richtigen Umgang mit den Phänomenen, die angeblich so negativ sind. Neben dem Internet hat sich das illegale Darknet etabliert, indem Auftragsmorde, Waffen und Drogen erhältlich sind, doch: „Niemand würde auf die Idee kommen, das Internet deswegen abzudrehen“, sagt Barbara Stöttinger. „Worum es geht ist, frühzeitig Gegenmaßnahmen gegen negative Effekte zu treffen. Auch hier sind wir alle gefragt.“

 

3. Innovation braucht Globalisierung und Digitalisierung

Die neuesten Therapien in der Krebsforschung, minimalinvasive Operationsmöglichkeiten durch Roboter, lebensrettende Maßnahmen durch Drohnen, Echtzeitkommunikation mit dem Smartphone, KI-Assistenten, selbstfahrende Elektro-Autos, mobiler Geldtransfer: die Liste der Innovationen im Zuge der Digitalisierung ist endlos. Auch die Forschung in Medizin, Ökologie, Transportwesen, Robotik wäre ohne die Kommunikationsmöglichkeiten durch die Digitalisierung in dieser Schnelligkeit niemals möglich gewesen. Durch die globale Vernetzung ist es möglich, wichtige Produkte und Dienstleistungen weltweit zugänglich zu machen – auch etwa in sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern.

Portrait Barbara Stöttinger

Prof. Barbara Stöttinger

  • Dekanin der WU Executive Academy

Viel Innovation wäre ohne die Digitalisierung gar nicht möglich gewesen und hätte ohne die Globalisierung nur wenig Impact.

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