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Green Finance: Geld anlegen gegen den Klimawandel

14. September 2020

Warum InvestorInnen und KleinanlegerInnen zunehmend auf nachhaltige Finanzprodukte setzen

Nachhaltige Finanzprodukte boomen seit einiger Zeit. Und das hat einen guten Grund: Green Finance-Produkte bieten nämlich nicht nur die Chance auf attraktive Renditen, sondern eröffnen AnlegerInnen gleichzeitig auch die Möglichkeit, ihr Geld sinnvoll anzulegen und dabei die Wirtschaft und die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Wie das funktioniert und warum sowohl KleinanlegerInnen als auch GroßinvestorInnen zunehmend auf nachhaltige Finanzprodukte setzen, erklärt Prof. Otto Randl, wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Finance der WU Executive Academy und Professor für Endowment Management am Institute for Finance, Banking and Insurance an der WU.

Symbolbild Green Finance
Nachhaltige Finanzprodukte bieten die Chance auf attraktive Renditen und die Möglichkeit Geld sinnvoll anzulegen.

Geld regiert die Welt. Und es könnte bald darüber entscheiden, wie stark die Welt durch den Klimawandel geschädigt wird. Investitionen in klimafreundlich agierende Unternehmen werden daher immer bedeutsamer. Im Juni 2019 haben einige Mitglieder der Vereinten Nationen die sogenannte Agenda 2030 angenommen und das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert. Ein wesentlicher Punkt bei letzterem ist die klimafreundliche Verwendung von Investitionsgeldern. Und sogar die Europäische Zentralbank hat sich dazu verpflichtet, Klimarisiken bei der Beurteilung der Finanzmarktstabilität und in der Bankenaufsicht miteinzubeziehen und investiert in „grüne“ Anleihen. Welche Unternehmen tatsächlich „grün“ und somit ökologisch nachhaltig sind, darüber soll in Europa bald common sense herrschen: Die Europäische Union ist derzeit dabei, Greenbond Standards für die Einstufung von ökologisch nachhaltigen Wertpapieren zu entwickeln.

Vieles steht auf Grün

Die Nachfrage nach Green Finance, also ökofreundlicher und nachhaltiger Geldanlagen, wächst seit einigen Jahren stetig. Laut Schätzungen der Global Sustainable Investment Alliance fließen in Europa bereits fast die Hälfte der Gelder institutioneller AnlegerInnen in grüne Finanzprodukte. Ganz neu ist das Thema jedoch nicht. „Schon seit den 1970er Jahren gibt es eine Debatte über nachhaltiges Investieren auf den Finanzmärkten“, sagt Otto Randl, wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Finance der WU Executive Academy, Professor für Endowment Management am Institute for Finance, Banking and Insurance an der WU Wien und Co-Leiter des Research Institute for Capital Markets.

Portrait Otto Randl

Prof. Otto Randl

  • Wissenschaftlicher Leiter des Professional MBA Finance

Auch in der akademischen Aus- und Weiterbildung nimmt das Thema Green Finance einen immer größeren Stellenwert ein. Bei uns an der WU Executive Academy werden derzeit diverse Master-Thesis-Abschlussarbeiten in diesem Themenfeld verfasst. Eine aktuelle Abschlussarbeit beschäftigt sich etwa mit grünen Bonds in Russland. Interessanterweise ist Green Finance auch bei InvestorInnen und UnternehmenslenkerInnen in den Emerging Markets ein Thema.

Dieser Scherpunkt spiegelt sich auch im Curriculum wider: Im Professional MBA sind die Themen Nachhaltigkeit und Ethik auf den Finanzmärkten und im Management elementarer Bestandteil der Agenda.

Ökologisch, sozial und nachhaltig

Ein Beispiel für eine Emittentin grüner Anleihen ist die U.S. Firma Apple. Im Jahr 2019 wurden von Apple grüne Bonds mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro emittiert und damit unter anderem Projekte zur Reduktion der CO2 Emissionen finanziert. Um Investitionsmöglichkeiten nach ihrer Eignung als ethische Investments zu beurteilen, können sich InvestorInnen und KleinanlegerInnen an den sogenannten Environmental, Social and Corporate Governance (ESG) Kriterien orientieren. Sie definieren Kriterien zu Nachhaltigkeit in Umweltschutz, Soziales (Menschen-/Arbeitsrechte) und nachhaltige Unternehmensführung. Über die Geldanlage ließen sich durchaus spürbare realwirtschaftliche Veränderungen bewirken, so Randl.

Logo Apple, Emittent von Green Finance Produkten
Apple emittiert grüne Anleihen, und unterstützt damit Projekte die sich dem Klimawandel annehmen. Foto © CC0 Licence

Dass InvestorInnengelder für „grüne“ Firmen einen positiven Effekt haben können, hat bereits im Jahr 2001 eine Studie von WU-Professor Josef Zechner deutlich zeigen können, welche die mit Abstand meistzitierte theoretische Arbeit zum Thema ist. „Diese Studie zeigt, dass aufgrund der breiteren InvestorInnenbasis die Kapitalkosten für nachhaltige Unternehmen die sich im Bereich Klimawandel engagieren, in der Regel niedriger sind“, so Randl. Zuströmende InvestorInnengelder können zu einer höheren Bewertung und damit temporär höheren Renditen für AnlegerInnen führen. InvestorInnen, für die auf lange Sicht eine hohe Rendite im Vordergrund steht, sollten sich laut dem Experten aber dabei nicht zu viel erwarten, denn niedrigere Kapitalkosten spiegeln sich langfristig in entsprechend reduzierten Renditen wider.

Sinnvoll anlegen bei geringerem Risiko und höherer Reputation

Für die InvestorInnen bieten sich laut Randl weitere Anreize, die Risiken seien bei Green Finance wohl geringer: „Es gibt wissenschaftliche Evidenz aus Studien, dass nachhaltig agierende Unternehmen auch krisenresistenter sind.“ Auch bei Rechtsstreitigkeiten würden „grüne“ Firmen in der Regel mit einer besseren Reputation aufwarten können. Und: auch die KonsumentInnen pochen, wegen dem Klimawandel, bei Produktion und Wertschöpfung zunehmend auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Green Finance ist also eine Chance für AnlegerInnen, ihr Geld sinnvoll anzulegen – und dabei die Wirtschaft und Gesellschaft zum Besseren zu verändern.

Für mehr Informationen über den Professional MBA Finance, klicken Sie bitte hier.

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