Selling Yourself: Wie man selbst zur Marke wird

03. Juni 2021

Sichtbar sein, um erfolgreich zu sein

Die Vorstellung, sich ins reale oder virtuelle Scheinwerferlicht zu stellen, verursacht bei vielen ein mulmiges Gefühl. Doch im Zeitalter der Digitalisierung und Social-Media-Präsenz sollte man nicht unsichtbar bleiben. Denn wer nicht sichtbar ist, existiert auf dem digitalen Parkett nicht – weder für potenzielle KundInnen noch für potenzielle ArbeitgeberInnen. Die Positionierungs- und Pitch-Expertin Denise Vorraber leitet an der WU Executive Academy Workshops zum Thema “Selling yourself” für Führungskräfte und angehende GründerInnen an. Dabei verrät sie, was man bei der Positionierung der Marke „Ich“ beachten sollte.

Bild von Denise Vorraber
Positionierungs- und Pitch Expertin Denise Vorraber weiß wie man sich selbst ins beste Licht rückt.

Die eigene Marke, das „Personal Branding“ aufzusetzen und sichtbar zu machen, fällt vielen schwer, sagt Denise Vorraber. Sie selbst wurde bei Forbes in der DACH-Region als 23-Jährige in die „Forbes 30 under 30“ gelistet und zwar, „weil ich mich selbst beworben habe“. Und das ist auch schon ihr erster Tipp: „Sei dein eigener Cheerleader“, was so viel bedeutet wie: sei überzeugt und ein Fan von dem, was du tust, und zeige das anderen. Oft würden gerade GründerInnen zu lange mit dem Personal Branding warten: „Man denkt dann, die Webseite muss noch fertig oder dieses oder jenes Produkt noch verfeinert werden. Wichtig ist, zu den eigenen Errungenschaften zu stehen, stolz zu sein und es einfach zu zeigen“, sagt sie.

Für die Expertin sind diese sechs Schritte der Schlüssel zur Marke „Ich“:

1. Elevator Pitch in vielen Situationen

„Egal ob man Startup-GründerIn ist, Führungskraft oder JungunternehmerIn: klar in wenigen Sätzen zu sagen, was man anbietet, was man kann und wofür man steht, ist erfolgsentscheidend“, sagt Denise Vorraber.

„Früher hatten MitarbeiterInnen in US-amerikanischen Konzernen oft nur eine Chance, dem oberen Management eine Idee zu verkaufen – und das war in der Fahrt im Lift“, sagt Denise Vorraber. In 30 Sekunden in wenigen Sätzen kurz und knackig die eigene Idee, das eigene Anliegen oder Produkt zu präsentieren, sollten die Formulierungen gut präzisiert werden. Schließlich können unterschiedliche Worte Interesse oder Langeweile beim Gegenüber wecken. Wer die Kunst des Elevator Pitch beherrscht, kann in vielen Fällen davon profitieren.  Der Elevator Pitch ist in vielen Situationen wichtig: ob im Bewerbungsgespräch, beim Networking am Buffet, bei der Vorstellungsrunde im Online-Meeting, bei einem Interview oder im Social-Media-Profil.

Portrait Denise Vorraber

Denise Vorraber

  • Positionierungs- und Pitch-Expertin

Viele tendieren dazu, sich unter Wert zu verkaufen oder sich zu lange und schwammig vorzustellen. Hier verliert das Gegenüber rasch das Interesse oder ist überfordert – gerade bei größeren Vorstellungsrunden. Wenn man den Elevator Pitch einmal mit ,Das kann ich, das bin ich, das ist mein Angebot‘ festgeschrieben hat, bleibt man beim Gegenüber pointiert in Erinnerung.

Wichtig sei auch beim Elevator Pitch während des Netzwerkens: „Bitte nicht zu „salesy“ werden, sondern einfach über sich und seine Tätigkeit leidenschaftlich reden und dann dem Gegenüber Fragen stellen und darauf eingehen.“ Auch Führungskräfte und andere Angestellte können auf Social Media wie LinkedIn ihre Themen aktiv voranbringen, „weil ihnen bestimmte Themen wie zum Beispiel Female Leadership wichtig, oder sie Botschafter für bestimmte Themen sind“.

2. Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Auch wenn das in Pandemiezeiten schwierig erscheint: Netzwerken ist und bleibt das A und O im beruflichen Leben. Sich dabei sichtbar zu machen und zu positionieren, kann ganz neue Karrierechancen eröffnen. Netzwerken ist auch online und virtuell möglich: in diversen Foren über LinkedIn oder Xing, über Kommentare und Postings, aber auch über Online-Events und Online-Workshops. Auch hier gilt: „Über die eigene Leidenschaft sprechen“, sagt Denise Vorraber.

Symbolbild networking
Ob persönlich vor Ort oder virtuell: Networking ist und bleibt ein wichtiger Erfolgsfaktor.

3. Sich auf Social Media zeigen

Dank Social-Media-Plattformen und -Netzwerke war es nie einfacher, Selbstmarketing mit wenig Aufwand zu betreiben. „Ich poste meine Errungenschaften und Workshops sehr oft auf LinkedIn und es kommt sehr gut an“, erzählt Denise Vorraber. Mit Freude zu zeigen, was man leistet, gerne macht und gut kann, sei die beste Werbung. „Wichtig ist es aus meiner Sicht auch, Learnings und Key Take-Aways für die LeserInnen zu liefern“ sagt sie.

4. Selbstvertrauen ist eine Entscheidung

Confidence is not something you need to earn, it’s something you decide. “Dieser Spruch ist so hilfreich und habe ich von meinem eigenen Coach gelernt. Ich dachte immer, je mehr ich mache und je mehr ich zeige, desto selbstsicherer darf ich auftreten bzw. desto mehr Selbstvertrauen darf ich mir zugestehen. Aber: man kann sich sehr wohl bewusst dafür entscheiden, sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Das kann einem niemand wegnehmen – das war ein Gamechanger für mich“, sagt Denise Vorraber.

Symbolbild Selbstvertrauen Selbstbewusstsein
Selbstvertrauen kommt nicht nur von den Leistungen die man erbringt - sondern auch von der Entscheidung Selbstvertrauen zu haben. Foto © CC0 Licence

5. Positiver Self-Talk vor dem Auftritt

Positive Affirmationen oder Mantren können sehr hilfreich zur Selbstbestärkung sein – vor allem kurz vor einem Auftritt, einem Pitch oder einer Präsentation. „Das ist häufig aus Schulzeiten negativ antrainiert: man präsentiert ein Referat, das einen nicht interessiert vor Leuten, die es nicht interessiert. Im Erwachsenenalter als Gründer eines Startups oder ExpertIn macht man das aber meist freiwillig und auch das Publikum ist freiwillig hier, weil es sich auf ein interessantes Thema freut oder etwas lernen will“, sagt Denise Vorraber. Auch für sie war es anfangs unangenehm, auf die Bühne zu gehen, „durch das häufige Üben und den positiven Self-Talk kurz vor dem Auftritt wurde es immer einfacher.“ 

6. High Power-Posing für mehr Selbstsicherheit

„Wir können die Körpersprache nutzen, um uns selbstsicherer und selbstbewusster zu fühlen. Mit High Power Poses nimmt man körperlich Raum ein und macht sich groß: beispielsweise mit stabilem Stand, Brust raus, aufrechter Haltung: nach zwei Minuten sinkt das Stresslevel und die Selbstsicherheit steigt. High Power Poses kann man gemeinsam mit dem positiven Self-Talk kurz vor dem Auftritt nutzen, um sich zu pushen“, so Vorraber. Star-Speaker Tony Robbins etwa springt auf ein Trampolin, puncht mit der Faust in die Luft, bevor er auf die Bühne geht. „Er ist seit 30 Jahren auf die Bühne und macht immer noch solche Rituale, um sich in die richtige Stimmung zu pushen.“ Das Wichtigste sei aber: „Du musst dich dabei wohlfühlen und die Pose sollte zu dir passen“, sagt sie. Gesten mit den Händen seien zur Unterstützung des Gesagten wesentlich: „Menschen, die beim Reden alles stillhalten, werden laut Studien als nicht so glaubwürdig und vertrauensvoll wahrgenommen, sondern eher als distanziert und arrogant“, sagt Vorraber. Auch die Nervosität auf der Bühne mit zu wenig Körperspannung und geknickter, unsicherer Körpersprache könne die beste Idee untergraben. „Die Menschen assoziieren dich so auch als Führungskraft oder Geschäftsführer. Wer sehr nervös und unsicher auf der Bühne agiert, wird so auch als Führungskraft wahrgenommen.“ Daher rät Denise Vorraber in solchen Fällen: „In solchen Fällen ist besser, wenn jemand anderes die Präsentation oder den Pitch übernimmt.“

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