Hilfe, ich bin zu billig – verdiene ich, was ich verdiene?

04. März 2024

Tipps für die Gehaltsverhandlung

Gerade habe ich beim Mittagessen in einer Art konspirativen Sitzung herausgefunden, was meine Kolleg*innen verdienen, die – so wie ich – insgesamt 5-7 Jahre Berufserfahrung haben und mehr oder minder die gleiche Tätigkeit ausüben. Und die schreckliche Wahrheit ist: ich verdiene um ganze 24% weniger. Ich hatte bei Einstieg das angebotene Gehalt um 5% nach oben verhandelt, war eigentlich damit zufrieden, und seither habe ich über die Kollektivvertragsabschlüsse mehr oder minder die Inflation abgegolten bekommen, so wie alle anderen auch. Kein Einzelfall. Erstens verdienen Frauen in Österreich unbereinigt um 19% weniger als ihre männlichen Kollegen und zweitens ist Gehalt immer noch ein Tabuthema. Klare, transparente Regeln gibt es in vielen Firmen für die Mitarbeiter*innen nicht, und häufig verdienen jene mehr Gehalt, die es lautstark einfordern, natürlich vorausgesetzt, die Leistung stimmt.

Ist mein Gehalt passend zu meinen Aufgaben und Verantwortungen, und dabei auch vergleichbar mit Kolleg*innen? Bild: shutterstock, Andrii Yalanskyi
Ist mein Gehalt passend zu meinen Aufgaben und Verantwortungen, und dabei auch vergleichbar mit Kolleg*innen? Bild: shutterstock, Andrii Yalanskyi

Gehalt schlecht verhandelt - was nun?

Was also tun, wenn man herausfindet, dass man schlecht verhandelt hat, und viele andere bei gleichem Job Level und – gefühlt - allerhöchstens gleicher Leistung mehr verdienen.

Natürlich besteht die Gefahr, dass man stinksauer ist, sich betrogen oder hintergangen fühlt und die Vorgesetzten bei der nächsten Begegnung wutentbrannt damit konfrontiert, dass andere mehr verdienen.

Aber, Achtung: Hier sind 3 No-Gos, die sie bei Gehaltsverhandlungen vermeiden sollten:

  1. Niemals in emotionalem Zustand wichtige Themen verhandeln! In einer Gehaltsverhandlung möchte ich einerseits das angestrebte Gehalt bekommen und andererseits weiterhin ein gutes Arbeitsverhältnis mit meinen Vorgesetzten haben. Wenn ich wutentbrannt bin, werde ich schwierig mit sachlichen Argumenten punkten können  
  2. Die Vorgesetzten nicht zwischen Tür und Angel mit dem Thema konfrontieren, sondern um einen separaten Termin bitten und Zeit für das Gespräch einplanen
  3. In Gehaltsverhandlungen nicht das Gehalt anderer Kolleg*innen als Referenz zitieren – denn es geht nicht um die anderen, sondern um meinen Job und meine Leistung. Viel eher dieses Wissen klug und diskret nützen, wenn es um den eigenen Marktwert geht.

So bereiten Sie sich optimal auf die Gehaltsverhandlung vor

  • Gründliche Recherche bleibt einem nicht erspart, ist aber heutzutage wesentlich einfacher, da Webseiten wie karriere.at, stepstone.at, kununu.com, glassdoor.com, xing.com einen sehr guten Überblick über die marktüblichen Gehälter geben. Hilfreich ist, nicht nur weitere Kolleg*innen und Freund*innen mit vergleichbaren Jobs zu befragen, sondern auch Mentor*innen um einen Ratschlag zu bitten. Sie mögen ihnen bitte mitteilen, welches Gehalt sie für ihre Position angemessen empfänden. Und unbedingt beachten, dass der Marktwert einer Position nicht eine einzige Zahl ist, sondern eine Gehaltsbandbreite. Wo in dieser Bandbreite das eigene Gehalt angesiedelt ist, kann man durch sein Potential, seine Kompetenzen und seine Leistungsbereitschaft durchaus mitbeeinflussen.
  • Neues Gehaltsziel smart definieren, d.h. man überlegt sich genau, wieviel man jährlich brutto mehr verdienen möchte. In absoluten Zahlen und in Prozent – und bitte ein realistisches und gleichzeitig lohnendes Ziel anstreben, sonst macht das Verhandeln keinen Sinn: wer nur 1% Erhöhung anstrebt, der sollte besser auf die nächste Kollektivvertragsverhandlung warten. Genauso gilt: wer weiterhin den gleichen Job macht, wird schwerlich mehr als 5-10% Erhöhung bekommen – und auch das nur, wenn es gut argumentiert wird. Smart bedeutet auch: termingebundene Ziele definieren – also nicht abwimmeln oder vertrösten lassen, wenn die Vorgesetzten im ersten Termin zwar den Argumenten folgen aber meinen, es sei nicht der richtige Zeitpunkt bzw. kein Budget vorhanden. Unbedingt nächste Schritte schriftlich definieren und neuen Besprechungstermin ausmachen, um deutlich zu machen, wie ernst einem dieses Thema ist.
Wer unvorbereitet und zu emotional mit der Tür ins Haus fällt, wird bei Gehaltsverhandlungen nicht weit kommen. Bild: shutterstock, Ariya J.
Wer unvorbereitet und zu emotional mit der Tür ins Haus fällt, wird bei Gehaltsverhandlungen nicht weit kommen. Bild: shutterstock, Ariya J.

Was hat der/die Arbeitgeber*in davon?

Wer diese Frage nicht schlüssig beantworten kann, sollte besser keine Gehaltsverhandlung beginnen.

Hier ein paar Anregungen:

  • Vielleicht hat man als absoluter Junior begonnen und befindet sich immer noch im gleichen Job, obwohl man längst Spezialist*innenarbeit macht und das Unternehmen eigenständig nach außen vertreten kann.
  • Vielleicht hat sich der eigene Verantwortungsbereich deutlich in den letzten Jahren vergrößert und man ist zuständig für die Einarbeitung aller Neuen im Bereich,
  • vielleicht leitet man mittlerweile zusätzlich zum eigentlichen Aufgabengebiet ein für das Unternehmen wichtiges Projekt.
  • Oder man hat vor Jahren begonnen als noch wenig beachtete*r Datenanalyst*in und gehört mittlerweile zur Riege der heiß begehrten Big Data Spezialist*innen und hat damit einen deutlich erhöhten Marktwert gegenüber dem Einstiegszeitpunkt.

Spätestens nach der Recherche sollte einem nicht nur der veränderte Marktwert bewusst sein, sondern auch der erhöhte Nutzen, den die eigene Tätigkeit für das Unternehmen stiftet.

Und warum sollte man als Arbeitgeber*in eine*n Mitarbeiter*in nicht fair entlohnen wollen, die man ansonsten womöglich teurer vom Markt einkaufen müsste?

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