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Was wir von Afrika lernen können

06. Februar 2019

Entrepreneurship in der Wiege der Menschheit

6 afrikanische Länder sind in den Top 10 der wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt – und Entrepreneurship ist die treibende Kraft für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Analysiert man die Muster, dann ergeben sich spannende Erkenntnisse. Was ist anders, was ist gleich, was können wir lernen?

Afrikanisches Entrepreneurship
Was können wir von afrikanischem Entrepreneurship lernen?

Wie Startups entstehen

Startups, neue Unternehmen und Gründungsprojekte entstehen durch Menschen, die sich mit dem Status-quo nicht zufriedengeben, Menschen, die etwas ändern wollen – und ihre Idee dann auch ganz konkret umsetzen. Das ist in Kenia, Südafrika und Mosambik nicht anders als bei uns. Einen Unterschied stellen die Motive dar. In afrikanischen Ländern ist der Hauptbeweggrund für unternehmerische Aktivitäten oft der Mangel. Viele Aktivitäten kommen zustande, weil die Menschen angesichts von Arbeitslosigkeit, Unterversorgung oder Dürrekatastrophen wenig Alternativen haben. „Not macht erfinderisch“ und manche Gründungen entwickeln sich dann sehr dynamisch. Natürlich gibt es auch bei uns solche „Push“-Gründungen. Wir können jedoch von Afrika wieder neu lernen, was alles möglich ist, wenn man wirklich muss. Dass die Verantwortung des Einzelnen etwas Wichtiges ist, das unternehmerische Initiativen treibt und für Innovation sorgt. Vergessen darf man aber auch nicht: Die größere Innovationskraft geht nicht von „Push-“, sondern von „Pull“-Gründungen aus. Wenn Entrepreneure aktiv werden, weil sie in einer Innovationmöglichkeit eine unternehmerische Chance erkennen, wenn sie von der Marktchance also sozusagen „magnetisch“ in die Gründung hineingezogen werden, dann haben die entstehenden Unternehmen im Schnitt ein viel höheres Wachstumspotenzial.

 

Die Zutaten für den Erfolg

Ein Entrepreneur, der auf sich allein gestellt ist, hat es schwer. Man braucht Infrastruktur, Finanzierung, MitgründerInnen, juristische Beratung, KundInnen … Auch in Afrika findet Entrepreneurship daher hauptsächlich in Hubs statt, wie etwa im Silicon Savannah in Nairobi oder in Mombasa. Man nutzt Methoden wie Lean Startup, Design Thinking, Co-Creation und die Kraft der Vernetzung. Und auch in Afrika gilt: eine wesentliche Rolle spielen Bildungssysteme, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Sie sind überall auf der Welt eine Brutstätte für neue Ideen und fast immer der Startpunkt bei der Entwicklung von Entrepreneurship-Ökosystemen. Wer Entrepreneurship fördern möchte, der muss vor allem in Infrastruktur investieren. IT, Co-working Spaces, Inkubatoren, Vernetzungsplattformen, Treffpunkte, Frühphasenförderung sind die Zutaten, die es braucht – dort wie hier.

Bild eines Entrepreneurship Co-working Space
Ganz wichtig für Entrepreneurship ist die passende Infrastruktur - wie zum Beispiel Co-working Spaces. Foto © CC0 Licence

Die Stärken Afrikas

Afrika holt in der Digitalisierung rasend schnell auf. Viele Märkte sind weniger reguliert als bei uns und die Menschen sind schnell und flexibel. „Du kannst innerhalb von sechs Stunden online ein Unternehmen gründen,“ sagt Aphrodice Mutangana, Geschäftsführer vom ersten großen Innovation Hub in Ruanda, kLab, der vor kurzem an der WU Executive Academy zu Gast war.  In Ländern mit stabilen politischen Verhältnissen kann daher noch viel passieren. Ein Unterschied zu uns ist der besonders hohe Anteil junger Menschen. „In Ruanda ist die Hälfte der Bevölkerung unter 20, 75 Prozent sind unter 35 Jahre alt,“ fügt Mutangana hinzu. Natürlich liegt darin eine besondere Chance. Zwar gibt es auch Beispiele für ältere Entrepreneure, doch tendenziell sind junge Menschen flexibler, kreativer, mutiger und weniger etabliert, haben also durch eine fehlgeschlagene Gründung weniger zu verlieren. Demographischer Wandel und Überalterung der Gesellschaften stellen die westliche Welt dagegen vor Herausforderungen, die auch im Bereich Entrepreneurship evident werden. Wenn wir Afrika hier schon nicht einfach kopieren können, sollte es uns diesen Mangel erneut bewusstmachen. Auch in Bezug auf Entrepreneurship ist es also wichtig, wie gut es uns gelingt, junge Menschen aus ImmigrantInnenfamilien zu integrieren und auch für Startups und Innovation zu mobilisieren, d.h. zu begeistern.

 

Die Probleme afrikanischer Entrepreneure

Die Struktur der Probleme, vor die Entrepreneure gestellt sind, sind in Afrika nicht grundsätzlich anders als bei uns. Persönliche Risiken, Unsicherheit, Finanzierungsprobleme … der Unterschied ist jedoch, dass die Gesellschaft viel weniger Sicherheitsnetze bereithält als bei uns. Das erzeugt auf der einen Seite Dynamik – Dynamik, auf die wir mit Neid blicken. Auf der anderen Seite ist zu viel Druck jedoch gefährlich. Angst kann lähmen und so manche Innovation wird dadurch verhindert. 

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In Afrika gibt es weniger Sicherheitsnetze als bei uns - daraus resultiert eine höhere Entrepreneurship-Dynamik, aber auch ein höheres Risiko. Foto © CC0 Licence

In manchen afrikanischen Gesellschaften spielen außerdem Stammes- und Clanzugehörigkeiten eine besonders große Rolle. Sie können natürlich in einzelnen Fällen stärkend wirken, wenn sie den einzelnen GründerInnen ein Netzwerk zur Verfügung stellen. Alle Formen der Diskriminierung und Einschränkungen des freien Austauschs behindern jedoch grundsätzlich die wirtschaftliche Entfaltung, das gilt für Afrika wie überall auf der Welt. Je freier und demokratischer Gesellschaften sind, desto besser ist das – auch für Entrepreneurship.

 

Lesen Sie hier was zwei Entrepreneurship-Expertinnen über Unternehmertum in Afrika sagen.

 

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